15. Modellbauausstellung der Modellbaufreunde Siegen
29. April 2018 Festhalle Wilnsdorf

Text und Bilder Thomas Geier


Auch wenn man doch überall Bedenken an der Zukunft der „Szene“ hört – die Szene lebt und es gibt regelmäßig Wochenenden, da kann man(n) einfach ohne sich selbst zu clonen nicht ‘rumkommen. So traf es uns am vergangenen Wochenende mit den 18. Internationalen Modellbautagen des PMC Thüringen in Arnstadt und der 9. ProWing 2018 in Soest/Bad Sassendorf – aber natürlich auch mit der ILA in Berlin. Wohin? Da ist es schön, wenn man aus’m Alltag hochgerissen wird und einem ein „Wollen wir nicht mal nach Wilnsdorf fahren?“ die Entscheidung abnimmt.

Da ich Siegen/Wilnsdorf persönlich überhaupt noch nicht kannte, mir aber die Modelle von Peter „Pacific Strafer“ Ohlenmacher schon immer entsprechenden Respekt abgenötigt haben, musste mich Modellbaufreund Arne nicht lange überreden. Da wir auch mal wieder mit Mario und Steffen (gerade keine ausdrücklichen Flugzeugmodellbauer und so natürlich eine wunderbare Gesprächsbandbreite möglich) was unternehmen wollten, stiegen beide Samstagnachmittag noch kurzer Hand zu und ab ging die wilde Fahrt über knapp 3 Stunden ‘gen westdeutsches Dreiländereck.

Auch wenn wir bei Ankunft eine noch recht leere Festhalle Wilnsdorf vorfanden, sie ließ schon deutlich auf eine gut strukturierte Ausstellung hoffen. Zugang und Tische unproblematisch, gute Lichtverhältnisse, zu erwartende Eigenversorgung, und einige bekannte Gesichter, die zum abendlichen Buffet und „Come-Together“ im Gasthaus Ley in Netphen (ca. ¼ Stunde Fahrt) die erhofften guten Gespräche in greifbare Nähe rücken ließen. Diese Abende (vor oder zwischen den Ausstellungstagen) lassen immer andere Gesprächsansätze und –atmosphäre zu, als über den Ausstellungstisch oder am Imbisstand. So kamen wir (wohl in Ansehung des bevorstehenden 1. Mai) auch in Themen an, die unsere geografische Herkunft betrafen, insbesondere den Dienst in der NVA dem in der Bw gegenüberstellten. Bei gutem (und preiswertem) Essen und Bier (für die Beifahrer… ?) stellte sich eine lockere und offene Atmosphäre ein, die einen Bogen begann, der am Ausstellungstag in ebensolch kollegialem Austausch mündete, was eben den Charme der Veranstaltung ausmacht.
Nach einer dann doch eher kurzen Nacht fanden wir uns gegen 09.00 Uhr in der Festhalle in Wilnsdorf ein, die sich dann im Vergleich zum Vorabend doch deutlich gefüllt und verdichtet hatte. Sie ist von der Kapazität her eine mittelgroße Halle, mit dafür guten Platz- und Lichtverhältnissen, lässt aber kaum noch Expansionsräume zu. Die Ausstellung selbst ist sehr geradlinig auf sich selbst beschränkt. Keine „Nebenkriegsschauplätze“ wie Workshops, Kinderbasteln oder Tombola – aber auch kein Wettbewerb (nicht mal Zuschauerwertung). Hier muss man klar differenzieren, ob man diesen Typ Veranstaltung als seinen Ansprüchen genügend ansieht – oder ob man sich dann doch eher in östlichere Gefilde begibt. Die Ausstellung wurde aber ihrem Namen gerecht: auf überlegt platzierten Tischen waren handwerklich solide gefertigte und vom Vorbild her interessante Modellen aller Sparten zu sehen, die ansprechend präsentiert wurden und so jede Menge Abwechslung boten. Die Motive waren durchaus exotischer, nicht nur von der Präsentation her, als der Mainstream. Dennoch hohes Niveau und kein Gefühl, nach 1/3 der Ausstellungsfläche schon alles gesehen zu haben. Als Händler waren Aero Spezial (Volkhardt Waltermann) und (Stefan) Modellbaier vor Ort, um dem einen oder anderen überzähligen Euro ein neues zuhause zu bieten. Die Modellbaufreunde selbst übernahmen schmackhaft die „Truppenversorgung“ mit Erbsensuppe, Sauerländern, Brötchen, Kaffee und selbstgebackenem Kuchen.

Auch wenn ich nicht mit einer offiziellen Besucherzahl dienen kann, war die Veranstaltung m. E. nach gut besucht. V. a. viele Nicht-Modellbauer nutzten den Sonntagnachmittag und zeigten sich durchaus interessiert – zumeist überrascht, wie viele Stunden dann doch in so einer Miniatur stecken. Was mir gut gefiel, man konnte – wie immer in solchen Fällen – manch einem virtuellen (Flugzeugforums)Kollegen aus Rheinland-Pfalz, Hessen oder Nordrhein-Westphalen nun endlich mal ein Gesicht zuordnen.

Einzig ärgerlich war, dass aus aller Aufbruchfreude der zuvor extra nochmal in’s Ladegerät gesteckte Kamera-Akku auch dort blieb und das erst in Wilnsdorf auffiel. Deshalb Danke an Arne, der mit Kamera und Karte aushalf.

Es war eine toll organisierte, sehr familiäre Ausstellung, auf der man sich wohlfühlen und jede Menge gute Gespräche mit Gleichgesinnten führen konnte. Die Fahrt hat sich, sicherlich für jeden der dort war, auf alle Fälle gelohnt.

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