E-day - Mezinárodní modelárská výstava Praha (Chodov)
23.09.2017, Prag (Tschechische Republik)

Text Thomas Geier, Bilder Bernhard Pethe


Um mit den Worten Bob Dylan’s einzusteigen - The Times They Are A-Changin'. Dass es so sein würde, war uns schon vor der Ankunft in Prag klar. In welchem Maß und in welchen Bereich es uns dann aber wie treffen würde, sollte sich aber erst im Lauf der Veranstaltung herausstellen.

Ähnlich wie andere Veranstaltungen in der Szene, wurde das sonst zweitägige Event auf einen Tag zusammengekürzt. Es ist müßig den Grund ermitteln zu wollen. Aber wir wollten den E-day als eines unseren gemeinsamen Jahres-Highlights nutzen, den immer noch präsenten Verlust von Jörg gemeinsam mit seiner Familie zu verarbeiten. Er hatte seinerzeit unseren Blick in die Modellbauszene des östlichen Nachbarn gelenkt. Er hatte uns die Art des dortigen Wettbewerbs (und die damit verbundene Freiräume des Veranstaltungsablaufs) immer wieder nahegelegt zu genießen, so dass wir es in diesem Sinne auch an diesem E-day umsetzen wollten.

Ob es wirklich die bereits im letzten Jahr in den Ansätzen erkennbare Baumaßnahme in der Galerie Butovice war, weshalb der E-day heuer nicht dort stattfand, kann von hieraus nicht nachvollzogen werden. Aber nach der liebgewonnenen Tiefgarage, diesem flairprägenden und der Veranstaltung ein Alleistellungsmerkmal geben Ambiente, sehnten wir uns mehrfach am letzten Samstag. Das Hotel und dessen Kongresshallen versprühten den morbiden Charme des „Krankenhaus am Rande der Stadt“, bordeaux-goldene Grundfarben wie Ende der 80er Jahre in Lüsterbeleuchtung, was denknotwendig schlechtes Licht für die Ausstellungstische und extrem enge Gänge bedeutet. Die Fotografen unter uns hatten kaum Platz für Stative, beim freihändig Knipsen hatte man mit umherfliegenden Rucksäcken zu kämpfen. Neben dem Licht war das Raumklima katastrophal, so dass wir öfter den japanischen Garten und später dann auch ein in der Nähe befindliches Einkaufszentrum frequentierten, um Luft und Gelegenheit zum Reden zu finden.

Auch wenn alle wesentlichen angekündigten Neuigkeiten der ausstellenden Hersteller verfügbar waren, der direkte Eurokurs von ihnen war unvorteilhafter als die Jahre zuvor und zudem schlechter als am Automat. Eduard hatte in diesem Jahr eine 1/144er MiG-15 UTI als Eintrittsbausatz, aber die Überraschungsgeschenke für die Aussteller der letzten Jahre sind einem Biergutschein für ein Gratis-Bier gewichen. Auch das regte zum Nachdenken an.

Wir konnten bei einigen guten Gesprächen mit deutschen Händlern und den deutsch/englischsprachigen Servicepersonal vom IPMS auch ein paar „statistische Werte“ rauskriegen. Etwa 3.000 zahlende Gäste und ca. 500 Aussteller, Klubs und Händler. Letztere monierten, dass der Stellplatz teurer und pro Platz weniger Raum als in der Tiefgarage wäre. War nicht ganz das Feedback, was man nach einer erfolgreichen Veranstaltung erwartet.

Mit Christian Gerard, als einem der späteren Preisträger, trafen wir auch gute Bekannte aus Deutschland, ebenso wie unsere Modellbaufreunde aus Leipzig und Dresden, es war schon ein internationales Flair. Der Wettbewerb war wie gewohnt hochwertig. Neben diversen Varianten und Ausbaustufen von Dauerbrennern findet man in Tschechien aber regelmäßig Exoten oder „Vintage Models“ die mit hohem Aufwand (komplette Umgravur etc.) auf Ausstellungsniveau gebracht werden. Dementsprechend hart ist die Konkurrenz und hoch ist die Leistungsdichte. Umso erfreulicher ist es, dass Modelle von Axel und Thomas zu den Top 3 und damit ausgezeichneten Modellen gehören – in Tschechien werden in den Hobbyklassen die jeweils drei besten Modelle einer Kategorie ohne weitere Differenzierung ausgezeichnet. Am meisten freute uns aber, dass unser in Erinnerung an Jörg, von ihm mit initiierte, gebautes Diorama zu „Lavochkins im Slovakischen Nationalaufstand“ ebenfalls einen ersten Preis errang. Sein Projektgeist und handwerkliches Geschick hat so ein Denkmal in 1/72 gefunden. Im Endergebnis sind dennoch genügend Eindrücke da, die sich seit der Heimfahrt erstmal setzen mussten und in den nächsten Wochen auf- und abgearbeitet werden müssen. Es gibt noch genügend andere (von mir bisher nicht besuchte) Ausstellungen in Tschechien. Wenn die E-Day 2018 unter ähnlichem Vorzeichen laufen sollte, wie der diesjährige, würde ich mir möglicherweise lieber eine andere Veranstaltung ansehen.

Thomas Geier

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