16. Rocník Mezinárodní Modelárská Výstava – E-day 2016
24.-25.09.2016, Prag (Tschechische Republik)

Text Thomas Geier, Bilder Bernhard Pethe und Thomas Geier


Für viele (nicht nur in unserem südöstlichen Nachbarland) ist das letzte Septemberwochenende das Highlight im modellbauerischen Jahreskalender. So pilgerten auch in diesem Jahr wieder Tausende nach Prag, um den E-Day in vollen Zügen zu genießen. Dieser Genuss war innerhalb (Modelle und Kaufgelegenheiten) und außerhalb (Bewirtung und Sightseeing) der Tiefgarage der Galerie Butovice wieder in auf hohem Niveau, so dass wir auch in diesem Jahr die knapp 1.000 km ohne Reue unter die Räder genommen haben.

Diese rollten 2016 auch ohne die Verzögerungen der Vorjahre ‘gen Prag. Dass die Anreise/Aufbau am Freitagabend wieder zur Entspannung und zum unkomplizierten Zugang am Samstagmorgen führen würde, ist zwischenzeitlich selbstredend. Bernhard und Uli hatten zudem noch ein Date mit Jan Bobek, den wir am Samstag kennenlernen konnten. Schlussendlich habe ich jedoch dabei verpasst, mir sein E-Bunny – Malheft # 1 (2016) signieren zu lassen. Diese unscheinbare Draufgabe für die jüngsten der Besucher zeigt aber auf, wie strukturiert und kreativ Eduard seine Marke in allen Bereichen auf- und ausbaut.

Auch mit dem diesjährigen „Eintrittskarten-Bausatz“, einer 1/72-Replik des Velorex-Dreirads und der Aussteller(überraschungs)geschenke (bei mir waren z. B. Ätzteil-Relings und -Schiffsflaggen in 1/350 drin, Bernhard hatte Gurtzeug für alliierte WKII-Flugzeuge) setzt Eduard eine Duftmarke mit Alleinstellungsmerkmal, die die begründete Tradition im Sinne einer corporate identity fortsetzt. Der Velorex war auch „Secret Bonus“ im diesjährigen Highlight-Bausatz, der (Zvezda) Mi-24 in Czech and Czechoslovak service DUAL COMBO 1/72. Da dessen zwei Lieferungen Samstag und Sonntag jeweils schon am Vormittag ausverkauft waren, so dass die limitierten ca. 2.000 Einheiten wohl mittlerweile ausverkauft sein dürften.

Der Hype um die Mil (zwei aktive Piloten saßen am Samstag auf dem „heißen Stuhl“, einer Podiumsdiskussion in der sich u. a. Vladimír Šulc, Jay Laverty u. a. den Fragen der geneigten Zuschauer stellten), ließ untergehen, dass der eine oder andere unter uns die MiG-21 in 1/72 herbeigesehnt hatte und zudem noch in 1/72 die Fw 190 F-8 und in 1/48 die Bf 109 F-4 als brandneue plastgewordene Träume käuflich zu erwerben waren.

Natürlich hatten auch alle anderen Hersteller/Händler ihre Neuheiten dabei, so dass sich unschwer die eine oder andere Folietüte mit Bausätzen und Utensilien füllte. Bei unseren Gesprächen erhielten wir einen „Einblick“ in das tschechische Kaufverhalten, der u. a. die 72nd Revolution von Eduard (siehe Innovationspreis Messe Nürnberg 2016) und Special Hobby’s „Essential line“ begründet hat. Der Durchschnittsmodellbauer greift bei 200,- – 300,- KCz (ca. 8,- bis 12,- €) ungefiltert zu, erst bei höheren Aufwendungen wird ein Kauf hinterfragt. Die Absatzzahlen von „what if“- und „funny“- Bausätzen in dieser Preisklasse toppen sogar manches „seriöse“ Vorbild.

Und gerade dieses emotionale Credo macht unsere dortigen Kollegen aus. Es wird mit Spaß und unverkrampft ein Bausatz umgesetzt, wo teilweise der handwerkliche Vorgang höheren Stellenwert als die Ergebnisqualität hat. Diese liegt zweifelsohne auch vor, aber die Ausstellung bestand zu ¾ aus „Hobby“- und „Kadett“- und nur zu ¼ aus „Master“-Klasse-Modellen. Die Tschechen sind ein Modellbau-begeistertes Volk. Dies wurde uns u. a. deutlich, als wir mit unserer „Beute“ in der Pension ankamen und von den vor dieser grillenden Bauarbeitern mit „Ah – modelari!“ empfangen wurden. Umfang und Tiefe des Zuschauerinteresses, die Qualität und Breite der Ausstellungsstücke und die Herzlichkeit und Hingabe, mit der die Veranstaltung umgesetzt wurde (Velorex in Mi-24-Tiger Meet-Bemalung) waren schon ein besonderer, hoher Level.

Trotz der Baumaßnahmen in der Galerie Butovice war die Ausstellungsfläche noch ca. 1/5 größer als im vergangenen Jahr. Stärkstvertretene Fraktion waren militärische 1/48er Flugzeuge, aber das kann auch subjektiv überbewertet sein. Dies führte naturgemäß zu einer gewissen „Pflastermüdigkeit“, so dass wir auf den obligatorischen Innenstadtbesuch verzichteten und „um’s Eck“ unseren Abend verbrachten. Sonntag gab’s noch (je nach Interessenlage) Besuch vom Technikmuseum in Prag oder Flugzeugmuseum in Kbely.

Es war wieder ein großes Erlebnis, dass seinen Aufwand gerechtfertigt hat. Bei Aufrechterhalten des dortigen Niveaus werde ich auch in der Zukunft versuchen, das letzte Septemberwochenende in Prag zu verbringen. Auch wenn sich die Eindrücke nicht völlig konservieren lassen, genießt die Bilder:

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