Cheb Modell Show 2015
24.10.2015 Cheb, Tschechische Republik

Text Kai Röther, Bilder Bernhard Pethe


Jörgs eifriges Werben im Vorfeld der diesjährigen Modellshow in Cheb trug offenbar Früchte. So fand sich dann doch eine stattliche Anzahl FFMC-Modellbaufreunde in Cheb ein. Jörg, Rolf und Bernhard reisten bereits Freitag an. Axel und Kai stießen am Samstag dazu. Darüberhinaus trafen wir Steffen und Bekim als Besucher. Das sind dann stolze sieben Mannen, die alle mehr oder weniger unseren Club repräsentierten.

Wie inzwischen üblich bei tschechischen Ausstellungen, checkten alle ihre auszustellenden Modelle online im Vorfeld ein. Das erspart Warterei und erleichtert zudem die Arbeit der Organisatoren. Apropops Organisation: hier sind unsere tschechischen Kollegen absolute Vorreiter. Sei es die angesprochene Verwaltung der Modelle, über die Aufteilung innerhalb der Räumlichkeiten, die Wettbewerbsklassen, die Bewertung der Modelle, Workshops, alles tiptop und so wie man es sich wünscht. An dieser Stelle auch von mir nochmal einen herzlichen Dank an David Lengyel und die Leute vom AVZO Cheb.

Vor vielen Jahren waren wir regelmäßig in Cheb zur Ausstellung (die Berichte sind im Archiv zu finden). Damals fanden sie in einem Klassenraum der Technischen Schule statt. Händler waren nur spärlich vertreten, Workshops gab es nicht. Es war immer eine kleine, feine Ausstellung mit erstklassigen Modellen. Von „klein und fein“ kann heute keine Rede mehr sein. Einzig die erstklassigen Modelle findet man noch, wenngleich in wesentlich größerer Anzahl. Als Ausstellungsort dient seit letztem Jahr das neue städtische Kulturzentrum, welches alles beherbergt, was man für ein solches Event benötigt. Wie sehr sich die Veranstaltung in Cheb inhaltlich gewandelt hat, wird anhand der vielen „flankierenden“ Maßnahmen deutlich. Allein die Gestaltung und Anzahl der Wettbewerbskategorien sind schon erstaunlich. Einen sehr breiten Raum nahmen Nachwuchsklassen ein, wobei die hier gezeigten Modelle sich zum Teil nur wenig von den Modellen der Senioren-Klassen unterschieden. Auch eine Klasse für das beste pinselbemalte Modell fand sich im Wettbewerb. Das ist doch mal eine gute Idee, um den etwas älteren Bastelnachwuchs zu motivieren. Nur Schmunzeln konnte man über den „Blindfold-Contest“, den ein Sponsor ausgeschrieben hatte. Ziel war es, eine Spritzpistole so schnell wie möglich auseinander- und wieder zusammenzubauen – mit verbundenen Augen. Natürlich unter Aufsicht einer professionellen Krankenschwester, wie versichert wurde. Sponsoren waren überhaupt ein großes Thema. Viele Händler stifteten Preise und prämierten so die ihrer Ansicht nach besten Modelle.

Workshops fanden in einem Bereich im Obergeschoss statt. Die räumliche Trennung vom Rest der Veranstaltung sorgte für die nötige Ruhe während der Vorträge. Der Referent saß gegenüber dem Publikum, sein Tun wurde via Kamera auf eine große Leinwand, die über/hinter ihm hing übertragen. So konnte man auch auf den hinteren Plätzen sehr genau verfolgen, was gerade passierte. Vier Workshops wurden angeboten. Radek Pituch zeigte Tipps und Kniffe beim Bemalen von Figuren. Milan Dufeks Vortrag beschäftigte sich mit dem Herstellen und Präparieren von Figuren bis zur ersten Grundierung. Michal Dostáls Thema war Verwitterung von Metalloberflächen bei Flugzeugen. Und last but not least gab Martin Korbelík einen Einblick in das Thema Schmutz, Staub und verlaufende Betriebsflüssigkeiten bei Militärmodellen.

Ebenfalls in der oberen Etage war ein großer Tisch fürs Kinderbasteln hergerichtet. Bausätze waren vorhanden. Betreut wurden die Kids von erfahrenen Modellbauern aus Cheb.

Ein paar Dinge sind aber immer noch so, wie in früheren Jahren. Dazu gehört unbedingt der Gang zum Marktplatz. Sind wir früher noch heerscharengleich zunächst in Emils Bastelladen eingefallen, um die Beute danach im Ratskeller bei einem gemütlichen Mittagessen fachgerecht zu zerlegen, so bleibt heute lediglich das Beisammensein bei Gulasch und Knödel nebst zünftigem tschechischen Bier um die philosophischen Tiefen des Modellbaus auszuleuchten.

Danach ging es wieder zurück zum Kulturzentrum, wo der Besucheransturm deutlich nachgelassen hatte, am Vormittag waren die Räume zwischen den Ausstellungstischen beängstigend voll. So war jetzt ausreichend Platz und Muße sich dem eigentlichen Kern des Tages zu widmen – den Modellen. Zunächst fiel auf, dass das Niveau insgesamt recht hoch war. Die klassischen Kategorien waren gut besetzt. Insbesondere bei Propellerfliegern in den Maßstäben 1:72 und 1:48 waren viele Modelle zu sehen. Gerade bei den 48er macht es Eduard einem auch scheinbar einfach, gute Modelle zu bauen. Deren neuste Ausgaben der Spitfire und Bf 109 waren recht zahlreich vertreten. Bei den 1:144ern werden die Modelle immer detaillierter, wenn auch die Anzahl auf den Tischen immer noch die Minderheit darstellt. Zivile Fliegern führten in Cheb ebenfalls eher ein Schattendasein und wurden in einer einzigen Kategorie zusammengefasst.

Über den Tellerrand geschaut, gab es natürlich auch Modelle aller anderen Sparten zu bestaunen. Seien es Militärmodelle, Fanatsy, Figuren, SciFi, Schiffe, Dioramen oder Papiermodelle. Alles war vertreten, wenn auch Flugzeuge und Miltärmodelle dominierten. Der Hausherr (AVZO Cheb) hat wie üblich an der Frontseite des Saals eine Tischfläche mit Modelle seiner Mitglieder platziert. Keine schlechte Idee, bekommt man doch so einen Einblick in das Schaffen des ausrichtenden Klubs. Im Obergeschoss gab es einen eher kleinen Raum, der Clubpräsentationen vorbehalten war. Die tschechischen Klubs waren hier nicht sonderlich präsent. Dafür glänzten zwei deutsche Aussteller mit hervorragenden Modellen und mit Personal. Sicher, weil man es in Deutschland auf Modellbauausstellungen eben so macht. Zum einen zeigte der Hamburger Modellbaustammtisch sein Können und zum anderen die Website „Original und Modell“ um Thomas Schneider und Konrad Schmittlein. Schnell entspann sich das eine oder andere nette Gespräch. So direkt am Modell mit dem Modellbauer, das hat eben doch seinen Reiz.

Unser Beitrag zum Wettbewerb gestaltete sich vielfältig. In der Natur der Sache begründet waren das in erster Linie Luftfahrzeuge. Außer dem 32er Maßstab ließen wir fast nix aus. Highlights waren sicher unser Gemeinschaftsprojekt Avia B.534 in 1:72, was als solches im Wettbewerb eher untergeht und drei nigelnagelneue Spitfire LF Mk. IX in 1:144. Die Bausätze dazu gab es als Geschenk für Aussteller vor vier Wochen in Prag beim eday – Speed-Modellbau pur. Ein wenig Überzeugungsarbeit bedurfte es bei Rolf, der dann aber letztlich doch sein tolles Sizilien-Diorama (Ju-88) auf den Tisch stellte, und prompt dafür belohnt wurde!

Die Ausbeute bei der Wettbewerbsauswertung war sehr gut. Prämiert wurden die drei besten Modelle einer jeden Kategorie traditionell mit einer Replik einer Werkzeugmarke der ehemaligen Flugzeugwerke Eger GmbH - eingelassen in Glas. Die Ergebnisse für uns im Einzelnen:

  • Bernhard, Zivile Flugzeuge und Hubschrauber, Il-62M
  • Bernhard, 1:72 Hubschrauber, CH-37B „Mojave“
  • Jörg, 1:72 Propellerflugzeuge, B-26 „Marauder“
  • Jörg, Flugzeuge mit Verspannungen 1/72 und kleiner, Avia B.534
  • Axel, Zivile Flugzeuge und Hubschrauber, Spifire LF Mk. IX
  • Kai 1:48 Propellerflugzeuge P-47
  • Rolf 1:72 Dioramen Ju 88
Am Abend fuhren wir, wie immer nach einem solchen Tag, hochmotiviert für kommende und laufende Projekte nach Hause. Platz für Wehmut ob der alten Zeiten war keiner, dafür bot die Cheb Modell Show 2015 zu viel Neues und Gutes. Wir kommen wieder!

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