Besuch bei Eduard
15.03.2013, Obrnice Tschechische Republik

Bilder Arne Goethe, Text Kai Röther


Die Kontakte von Ulli, einem Thüringer Modellbaufreund, waren schon für so manche Überraschung gut. Aber das hier toppte alles.
Seine langjährige Tätigkeit in der Luftfahrthistoriker-Szene führte ihn hin und wieder auch ins benachbarte Tschechien. Über die Jahre gab es dabei immer wieder Berührungspunkte mit der Firma Eduard. Und so wurde Ulli dieses Jahr zu einer Betriebsbesichtigung eingeladen. Und weil so etwas alleine keinen Spaß macht, hat er sich dafür ein paar Bastelkumpels ins Auto gesetzt. Und so machten wir uns an einem kalten Märzmorgen zu viert auf den Weg ins tschechische Obrnice. Mit von der Partie waren Ulli, Arne Jörg und ich. Die Gespräche kreisten dabei, wie kann es anders sein, um Modellbau im weitesten Sinne. Nachdem wir das noch immer tief verschneite Erzgebirge passiert hatten, empfing uns Tschechien mit strahlendem Sonnenschein.


Ein kalter Märzmorgen

In Obrnice angekommen, wurden wir sehr freundlich von Katerina Borecká und Libor Havránek begrüßt. Ein erster Rundgang führte uns direkt in die Entwicklungs- und Produktionsabteilung für die Brassinprodukte. Dabei blieb keine Tür verschlossen und kein Schreibtisch wurde hektisch abgeräumt. Völlig unaufgeregt gewährte man uns Einblicke in aktuelle und anstehende Entwicklungen. Hier konnten wir auch das erste Mal die neue 48er Spitfire sehen. Unser Besuch fiel in die Endphase der Liefervorbereitungen dieses neuen Produktes.

In einem Konferenzraum wartete eine kleine Erfrischung auf uns, die wir dankend annahmen. Nach einigen Minuten erschien Vladimir Sulc - der äußerst umtriebige Chef des Unternehmens. Es entspann sich ein erstes Gespräch, welches Jörg dazu nutzte, ein Gastgeschenk zu überreichen. Ein gerahmtes Foto von seiner superdetaillierten Hellcat in 1:72, die auf Basis des Eduard-Bausatzes entstand und mit der Jörg schon diverse Platzierungen erzielte. Sichtlich erfreut nahm Mr. Sulc das Bild entgegen. Im weiteren wurde von Mr. Sulc voller Stolz der neue Bausatz der Spitfire im Maßstab 1:48 präsentiert. Auf dem Tisch lagen sämtliche Spritzlinge, sowie zwei teilmontierte Baugruppen – Tragfläche und Rumpf. Fasziniert von der enormen Passgenauigkeit steckte ich die beiden Baugruppen immer wieder zusammen. Es blieben keine Spalte, keine Versätze - nix. Es schmatzte geradezu ineinander. Dazu passte auch die Aussage von Mr. Sulc, das dieses Modell das Maximum darstellt, was man bei Eduard im Moment zu leisten in der Lage ist. Die Passgenauigkeit ist natürlich nicht das einzige was uns hierbei auffiel, auch die Wiedergabe der äußeren Form und die Fülle von Details waren sehr beeindruckend. Jörg als eingefleischter 72er schaute schon etwas traurig drein und äußerte natürlich den Wunsch, das Modell in der Qualität auch in „seinem“ Maßstab bekommen zu können. Mal schauen, was die Zukunft bringt.

Im Anschluss führte uns Mr. Sulc durch das Gebäude. Zunächst ging es in die Produktionsräume für Ätzteile. Zum Zeitpunkt unseres Besuches wurde nicht produziert, aber man konnte ahnen, dass hier ordentlich Durchsatz möglich ist. Insbesondere da auch die erste (wesentlich kleinere) Ätzanlage zu sehen war, die bis vor wenigen Jahren die gesamte Ätzteilproduktion absicherte.

Beim Betreten der nächsten Abteilung nahmen wir sofort den typischen Duft von Kühlmilch wahr. Hier ging es also um Metallverarbeitung. So sah man Drehbänke, Fräsmaschinen, Bohrmaschinen, eine typische Werkstatt eben. In einem etwas abgetrennten Bereich stand die neue Fräsmaschine, die vor wenigen Jahren beschafft wurde. Hier entstehen also die Formen, für die Modelle. Allerdings war davon nicht viel zu sehen, bis auf ein paar Erodierelektroden, die natürlich unsere volle Aufmerksam erhielten. In einem kleinen Büro neben der Werkstatt sahen wir dann auch eine Spritzgussform für die Spitfire, die natürlich intensiv „begutachtet“ wurde.


Brassin

Der weitere Weg führte uns durch die mit CAD-Stationen ausgestattete Entwicklungsabteilung. Hier fand gerade ein Meeting statt, und wir störten nicht weiter. Etwas mehr Zeit konnten wir uns im Produktionsbereich für die Decals lassen. Erstaunt stellten wir fest, wie arbeitsintensiv die Erstellung eines Bogens ist, aber auch mit welcher Akribie vorgegangen wird. Last but not least gelangten wir in die Räume, in denen die eigentliche Abspritzung der Plasteteile erfolgte. Wie nicht anders zu erwarten, arbeitete man unter Auslastung aller Maschinen an der 48er Spitfire. Auch hier fiel sofort die Sorgfalt auf, mit der zu Werke gegangen wurde. Jeder Schuss wurde nach Entnahme aus der Maschine kritisch betrachtet, um bei Abweichungen sofort reagieren zu können.

Damit war unser Rundgang durch die Produktionsabteilungen beendet. Zurückgekehrt im Konferenzraum nahm sich Mr. Sulc noch etwas Zeit um in einem lockeren Gespräch verschiedene Teilaspekte der Arbeit bei Eduard zu beleuchten. Insbesondere die Ausführungen zum Thema Recherche waren sehr erhellend. Man treibt doch erheblichen Aufwand, um dem Original so nahe wie möglich zu kommen. Gerade die letzten Projekte stehen genau für diesen Anspruch und werden ihm auch gerecht, seien es die Bf 110 (1:72/1:48) oder die MiG-21(1:48) oder auch die Bf 109 (1:32/1:48). Die Spitfire gehört natürlich ebenso dazu. Zum Thema Spitfire bekamen wir dann auch noch das komplette Brassinprogramm zu sehen, als da wären Cockpit, Räder, und Auspuffrohre. Das Cockpit ist, wie nicht anders zu erwarten sehr detailliert als Kombination aus Resin- und Ätzteilen ausgeführt. Dessen Problem könnte allerdings das schon sehr detaillierte Cockpit des Grundbausatzes werden.

Nachdem alle Fragen beantwortet waren verabschiedete sich Mr. Sulc und übergab uns wieder an seine Kollegen Katerina Borecká und Libor Havránek, die uns nach draußen begleiteten.

Als nächstes stand natürlich die Heimsuchung des örtlichen Bastlerladens an. Dieser hatte auch geöffnet und bot, nachdem wir ihn zu viert betreten hatten, keinen Platz mehr für weitere Kunden. Dieses oder jene Schnäppchen konnte dann auch geschossen werden, obwohl sich das Preisniveau eigentlich kaum noch vom hiesigen unterscheidet. Im Anschluss ging es in ein Restaurant und wir ließen die Erlebnisse der letzten Stunden bei böhmischer Küche Revue passieren. Die Heimfahrt gestaltete sich unspektakulär, das Erzgebirge war immer noch verschneit und das Wetter immer noch grau. Unserer guten Laune tat das an diesem Tag kein Abbruch. Ein herzliches Dankschön an EDUARD für dieses Erlebnis und natürlich an Ulli, der es erst ermöglicht hat.

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