Ein sentimentaler Überführungsflug
im Dezember 2012

Rolf Seyfried


Wer kennt es nicht, dass man einen Wunsch immer vor sich her schieb, da die Verwirklichung einem augenscheinlich nicht davonlaufen kann? Genau so war es, mit einem Mitflug in einer der noch flugfähigen Ju 52/3m in Europa. Trifft man doch entweder Maschinen der Schweizer Ju-Air oder eben die D-AQUI der Lufthansa Historicflight auf vielen Veranstaltungen und Flugplätzen, oder hat vielleicht sogar direkten Kontakt? So sagt man sich dann auch immer wieder „das nächste mal…“.

Bis schließlich der innere „Schweinehund“ überwunden wird und sei es nur wegen einer außerordentlichen Tour, die mehrere markante Punkte seines eigenen Luftfahrtlebens unter einen Hut bring. Dieses mal war der „Hund“ aber schnell besiegt, als die Routen der D-AQUI für 2012 herauskamen. Ein Flug mit dieser Ju 52 vom ehem. Fliegerhorst auf dem Memmingerberg zum ehem. Fliegerhorst in Kaufbeuren, das war geritzt!

Lange Zeit und viele Erinnerungen sind mit beiden Orten verknüpft und lange war kein Fuß mehr darauf gesetzt worden. Die Anfahrt zum heutigen Regionalflughafen Memmingen macht schnell klar, dass sich sehr viel geändert hat. Viele vertraute Gebäude mussten schon den Ansprüchen der Urlaubsflieger weichen und Andere wurden nahezu bis zur Unkenntlichkeit umgebaut. Das engt zwar das Herz etwas ein, aber es ist eben der Lauf der Zeit.

Am Abfluggebäude, unserer noch erhaltene aber umgebaute Wartungshalle, von jeher ihrer schönen Form her als „ Picassohalle“ benannt, war reges Treiben. Hinz und Kunz fliegen nun von hier mit der bekannten Billigfluglinie zu wechselnde Ziele in ganz Europa und ein bisschen darüber hinweg.

So überrascht es, dass selbst Unbedarften der Anblick der „Tante Ju“ erfreut und wohl nur deshalb einige Leute mehr durch die Glasscheiben des Besucherplatzes lugten.

Und schließlich wanderte auch der eigene Blick von den umliegenden noch bekannten Gebäuden auf den Flieger der 30er Jahre. Da stand sie, schon tausendmal gesehen aber immer wieder schön, ein Flieger mit Ecken und Kanten, nicht so schnöselig und aalglatt wie die modernen Düsenflieger, und daher viel interessanter! Die Besatzung erzählte sogleich, in angenehm lockerer Form, was über sich und natürlich etwas über die Geschichte zum Flieger. Auch die Crew freute sich schon auf den Anflug in Kaufi und versprach uns einen schnellen Überflug und erst dann die Landung.

Und ab ging es, wir rollten über den Oskar auf die Nummer 1 Richtung 024 und nach nur wenigen Metern drehte die Ju noch über dem Flugplatzgelände nach Süden ab. Unter uns die Shelter, das AGETP West und Ost, Justierstand…..Richtung Ottobeuren, darüber hinweg und über all die Orte die man vom ständigen Pendeln zwischen Kaufi und dem Berg nur vom Boden aus kannte. Zu schnell waren dann schon die Hallen des Flugplatz und technischen Schule der LW zu sehen und der Flugzeugführer schob die Leistungshebel noch ein klein wenig weiter nach vorn und ein schneller tiefer Überflug erfolgte. Etliche Menschen haben sich bei den Sportfliegern versammelt und blickten nach oben, so wie wir nach unten blickten. Über der Stadt zog die Maschine dann steil nach oben, kaum zu glauben was da rauszuholen ist, und drehte dann zur Platzrunde ein. Nach der Landung war die „Alte Tante“ schnell von vielen hunderten leuchtende Augen und einigen Spottern umringt.

Die Dämmerung verlieh der ganzen Szene einen ganz besonderen Anblick der mit der Kamera wohl nicht einzufangen ist. Diese Bilder sind, wie viele andere 1000 Millionen, nur für sich selber zu behalten. Ganz genauso wie so ein Flug mit solchen Veteranen der Lüfte durch Bilder und geschriebenen Zeilen nicht annähernd zu vermitteln ist! Danke Hugo!

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