Pilsen Kit 2012
25.08.2012, Pilsen, Tschechische Republik

Text und Bilder Bernhard Pethe


Tja, was macht man am besten, wenn man Samstag allein zu Hause wäre, Klubkollegen sich in den Ferien rumtreiben und man keine Lust hat, auf die neunzigjährigen Oma und Opa aufpassen? Man fährt mal schnell nach Pilsen zur 8. Pilsen Kit. Oma, wenn was ist, hier meine Handynummer und im Notfall, die 112, alles klar? Also früh 4:30 Uhr rein in die Rennpappe, Navi eingestellt und ab. Autobahn fast leer und an der Grenze schnell noch mit einer Vignette das Sichtfeld der Frontscheibe verkleinert. Als ich 8:30 Uhr auf den Parkplatz zum Ausstellungsgelände rollte, fiel mir ein, ich brauche ja noch ein paar Tschechenkronen. Also schnell kehrt und ins Zentrum einen Bankomaten gesucht. Das war so schwierig nicht, nur einen passenden Parkplatz zu finden schon eher. Gott sei Dank fiel mir auch noch rechtzeitig wieder meine PIN ein und der Automat spuckte munter die angeforderten Kronen aus. Irgend ein tschechischer Zeitgenosse, der wohl die letzte Nacht in keinem Bett zugebracht hatte, wollte mir dann gleich einen Teil meiner Kronen wieder abbetteln. Ich habe ihn dann aber überzeugen können, das ich ein unterbezahlter Nimetsky bin und er dann schwankend sich ein anderes Opfer suchte. Zurück an der Schießsportarena Dukla, in dessen großer Sporthalle der Plastikmodellbau stattfand, waren schlagartig alle günstigen Parkplätze belegt. So fuhr ich einfach vorwärts an so ein rot/weises Flatterband ran und wie sich später herausstellte, hatte ich eine neue Parkreihe eröffnet. Da sind unsere beiden Völker, die Tschechen, wie die deutschen Autofahrer, völlig gleich, einfach und praktisch.


Die Anmeldung hatte ich schon zwei Tage vorher per Internet gemacht. Das ist einfach und praktisch, spart Zeit und jede Menge tschechischer Vokabeln beim Anmelden vor Ort. Ein vorsichtiges dobre dään lässt sofort den weitangereisten, deutschen Modellfreund erkennen und man erfährt etwas von der örtlichen Gastfreundschaft. Die Registrierung ist kostenlos, man bekommt seine vorgedruckten Modellschildchen mit der Kategorie und stellt sein Modell auf den vorgesehnen Tisch. Fertig. Die leeren Transportkartons darf man nicht unter den Tisch stellen, es gibt dafür einen Raum oder man bringt sie zum Auto zurück. Dabei machte ich dann die obige Feststellung mit der Parkordnung, die Reihe war noch länger geworden. Ich tauschte nun die Kartons gegen eine Kamera und ging auf Händlersuche. Man musste die nicht suchen, die waren eigentlich überall präsent. Das, was man mitbringen wollte, das musste man suchen, denn das Angebot war allumfassend. Neu für mich war der extra Raum, den sich Eduard eingerichtet hatte. Mit blauen Einkaufskörbchen, die aber keine Pflicht waren, aber den Einkaufswütigen, das tragen der unterschiedlichen Angebote doch sehr erleichterte. Es war alles da, was Eduard im derzeitigen Sortiment hat, nur die 72er MiG-15, die wird es erst zum E- Day Ende September in Prag geben. Die hübsche junge Frau an der Kasse fragte mich gleich yu speaks english? Vor lauter Schreck sagte ich auch noch jes, beautiful woman, obwohl mir schlagartig klar war, das meine Englischkenntnisse eine längere Konversation nicht standgehalten hätte. Aber das beautiful woman hatte sie dann doch etwas aus dem Konzept gebracht. Sie wollte mir ja nur den Kaufpreis nennen, den wusste ich aber schon, so das ich dann mit einen netten djekuju mich höflich bedankte. Mittlerweile war es nicht nur in der Halle sehr schwül geworden. Also sucht man sich im weitläufigen Gelände ein schattiges Plätzchen, kauft sich einen Becher tschechisches Bier und begutachtet erst einmal die Einkäufe. Zwischendrin hört man auch mal deutsche Stimmen, so sind mir Leipziger und Münchener Modelltouristen aufgefallen. Modellbautechnisch gab es wieder mal Spitzenkost zu bestaunen. Die Kategorien der 72er Propellerflugzeuge und Jets sind nach wie vor stark vertreten. Das gleiche trifft auch auf den Maßstab 1/48 zu. Alles perfekt und toll gebaute Modelle. Der Rest gehört bei den Luftfahrzeugen schon wieder zu den Randgruppen. Was deutlich auszumachen ist, das die neuen Modelle von Eduard, Bilek und wie die anderen tschechischen Hersteller noch heißen, das Bastelinteresse im Moment stark beeinflussen, das diese Modelle gut angenommen werden und auch in den unterschiedlichsten Varianten und Schwierigkeitsgraden gebaut werden. Natürlich sind auch die Fahrzeugkategorien absolut sehenswert. Was hier gezaubert wird, wer will das als Jurymitglied noch gerecht bewerten? Gut, das ich mir da keine Gedanken machen muss.


Am Nachmittag wurde dann auch wieder Krieg gespielt. Da sind die Tschechen recht emotionslos. Deutsche SS-Uniformen neben normalen Lansern und britischer Sanitäterin, alles authentisch dargestellt. Nun dachte ich ja, das bei der zahlenmäßigen Übermacht der Deutschen Uniformierten, nun bei der 8. Auflage der Pilsen Kit, die Deutschen endlich mal den Krieg gewinnen würden, nein es kam wieder wie es kommen musste, Ihr werdet es schon ahnen, - die Deutschen waren tot oder wurden gefangen genommen. Exekutiert, wie bei früheren Veranstaltungen, wurde keiner mehr. So gesehen, blieb alles beim Alten. Ulli, ein alter Bastelfreund mit reichlich Tschecheierfahrung, lief mir dann auch noch über den Weg und so verging dann auch der Nachmittag recht zügig. Ein Kontrollanruf bei der Oma signalisierte mir, alles im grünen Bereich. Meine taktische Ausrichtung auf den Wettbewerb war aufgegangen. Ich musste nicht noch die einstündige Preisverleihungszeremonie abwarten, sondern konnte rechtzeitig meine Heimfahrt antreten. Die wäre auch fast reibungslos verlaufen, wenn nicht mein Navi mich ständig Richtung Nürnberg/Erlangen schicken wollte. Man muss dann schon mal Prioritäten setzen und die ständig plappernde Frauenstimme abschalten. Als ich dann gegen 19:30 Uhr wieder zu Hause war, saß Oma und Opa friedlich vom Fernsehgerät und aßen Abendbrot. Geht doch dachte ich und musste nur noch unseren Kater Olly eine Futterpackung hinstellen.

Zurück zur Übersicht

 

© Flugzeugform Modellbauclub