100 Jahre VVS
12.08.2012 - Moskau / Shukowski-Ramenskoje

Text und Bilder Jan Himmelreich


Keine Ahnung wie man auf so eine Idee kommt, die Eintrittskarten für eine Megashow in einem Luxushotel zu verschenken - Drama pur. Wer sich auf so was einlässt, muss schon ein großer Fan sowj./russ. Militärluftfahrt sein. Verrücktheit und Risikobereitschaft sollten ebenso dazugehören wie ein riesen Haufen Optimismus. All dies traf zu und ich setzte mich mit 3 Freunden am 10.08.2012 in den Flieger nach Moskau.

Aber fangen wir mal von vorne an. Monate vor der Show wurde bekannt, das es in Moskau eine große Feier zum 100. VVS Geburtstag geben würde. Recht schnell wurde der Termin bekannt. Sofort wurde die Reise geplant, Flug und Hotel gebucht. Später wurde im Internet eine Homepage freigeschaltet, auf der man sich als Ausländer für Eintrittskarten registrieren lassen konnte. Dies war schnell geschehen und die Antwortmail mit einem persönlichen Code lies nicht lange auf sich warten. Der Hinweis, wenn dieser Code eingegeben wird und somit aktiviert ist, hat man 48 Stunden Zeit, seine Karte im Moskauer Lotta Hotel persönlich abzuholen. Später kam eine weitere Nachricht zur Anmeldung und alles war irgendwie anders als hier. Nix von wegen an die Theke gehen und den Wunsch nach einer Karte zu äußern und diese zu bekommen....Die 48 Stundenfrist bis zur Ankunft in Moskau war gekommen, den Code eingegeben und es passierte nix- Code nicht angenommen. Allen ging es so. Also die gesamte Mail Kommunikation ausgedruckt und sich auf den Weg nach Moskau gemacht - mit keiner Karte im Gepäck. Plan B im Kopf wenn es nicht klappt versuchen sich in Ramenskoje an den Zaun zu stellen - na ja, ein bissel Unbehagen macht sich da in der Bauchgegend breit. Hatte ich doch die umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen zur MAKS 2011 noch bildlich vor Augen. Landung in Moskau, im Hotel eingecheckt und in die Metro. Auf zum Lotta Hotel im Zentrum Moskaus. Dies schnell gefunden standen wir vor einem 5 Sterne Hotel. Hier gibtís Karten??? Was sollís, kurze Fragen an die reichlich vor dem Eingang stehenden Hotelmitarbeiter und siehe da - ja hier im ersten Stock. Tatsächlich, ein extra Raum mit Tischen und Laptops, einige Leutchen dahinter, den ganzen ausgedruckten Salat vorgezeigt und da waren sie - die kostenlosen Eintrittskarten für die Sonntagsveranstaltung. Plötzlich war alles gut, ein Karten Verteilungssystem nicht erkennbar. Aber von da an war dies uns so was von Wurscht und Vorfreude kam auf. Wir waren um eine Erfahrung der russ. Lebensweise reicher, oder eben auch nicht, weil wir es bis heute nicht verstanden haben.

Sonnabend waren in Shukowski ausschließlich Regierung und Gäste zur Show geladen, so das wir diesen Tag nutzten, um ins private Technikmuseum von. V.Saduroschno zu fahren.

Nach 2 Sicherheitskontrollen (bereits am Bahnhof in Shukowski und am Platz selber) kamen wir am 12.08. früh endlich am Ort der Veranstaltung an. Das Flugprogramm war im Voraus bekannt. Wir sahen uns zuerst das Static an. So gut wie alle Einsatztypen der aktuellen russ. Luftwaffe waren ausgestellt. Auch Oldtimer aus deren Geschichte waren zu sehen. Von der MiG 3 über die MiG 31, SU 30 und SU 34, der ersten in Dienst gestellten SU 35, den Helikoptern von Kamow und Mil bis hin zu den großen Tupolew-Bombern TU 160 und TU 95 konnte man alles bestaunen.

Die Show begann pünktlich mit Überflügen von SU 25, die die Farben Russlands an den Himmel malten, gefolgt von einer Formation aus Su 27/Su 25 und MiG 29, die eine 100 darstellten. Anschließend folgte ein Ausflug in die Geschichte mit vielen Oldtimern am Himmel. Die darauffolgenden Programmteile waren eine Mischung aus Airshow, Schauluftkämpfen, Luftparade und Kunstflugvorführungen. Viele internationale Gäste kamen mit ihren Flugzeugen, um zu gratulieren. Frankreich, Italien, Polen, Finnland, Großbritannien und Österreich schickten Flugzeuge, teilweise auch Nationalkunstflugteams, die allesamt vom Publikum gefeiert wurden und schöne Shows zeigten.
Im Mittelpunkt standen natürlich die russ. Luftstreitkräfte, die während der Paradeteile fast alles zeigten, was sie zur Zeit im Bestand haben. Das nach mehr als 20 Jahren der Vernachlässigung der Ausrüstung Neuausrüstung langsam Schwung bekommt, war zu sehen. So flogen beispielsweise JAK 130 und Su 34 im Verband. Auch bei den Hubschraubern tut sich etwas. Das Berkutiteam fliegt nun die Mi 28 und auch Kamows KA 52 zeigte seine Leistungsfähigkeit. Überflüge von Gruppen Tu22, Tu95 und TU160 sowie MiG 31 und SU 24 begeisterten das Publikum. Viele Einsatzverbände der russ. Luftwaffe zeigten ihr können am Himmel. So unter anderem MiG 29 aus Astrachan, SU27/34 und MiG29 aus Lipezk, MiG 29 aus Kursk Chalino, wie auch die SU 25 aus Budjonowsk und Su 27 aus Krymsk, die am Krieg mit Georgien beteiligt waren. Beeindruckend und selten sowieso, die Überflüge von AN 22, IL 86WKP und TU 134UBL. Die Armeefliegerkräfte zeigten neue Versionen der Mi 35, Mi 26 und Mi 171 und Ansat Helikopter. Das RUS Team aus Wjasma zeigte sich mit seinen L 39 in neuer Bemalung. Den Abschluss der Show boten wie erwartet die Russian Knights und die Strishis. In all diese Showpunkte eingebunden waren auch neue Entwicklungen wie die MiG 35, SU 35BM und nicht zu vergessen Suchois PAK-FA. Die T 50-2 zeigte ein kurzes Display. Man könnte hier noch viel mehr schreiben, aber das würde den Umfang des Berichtes bei weitem sprengen.

Alles in allem war es eine Geburtstagsfeier, die es so lange in Russland nicht mehr gegeben hat. Wo sieht man schon mal Einsatzmaschinen der russ. Luftwaffe so in Aktion? Wann war eigentlich die letzte große Luftparade in Moskau, abgesehen von den Überflügen zum Tag des Sieges? Auf vielen Basen Russland wurde das Jubiläum mit Shows begangen, diese in Moskau war die größte und eine der Airshows, die es wohl in diesem Umfang nicht so schnell wiedergeben wird. Leider sind die Fotoverhältnisse in Shukowski nicht die besten, man hat den ganzen Tag mehr oder weniger Gegenlicht. Um zum Ausgangspunkt meines Berichtes zurück zu kommen. Meine Risikobereitschaft und meine Verrücktheit (auch die meiner Mitreisenden) hat sich mehr als ausgezahlt. Im Flieger nach Hause habe ich mir gesagt: bleib ein Optimist, es lohnt sich!

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