Faszination Modellbau Friedrichshafen
04.-06. November 2011

Text und Bilder Bernhard Pethe


Modellbaumessen sind immer ein Kapitel für sich. So auch die nunmehr zum zehnten mal stattfindende, Faszination Modellbau in Friedrichshafen. Wenn die Messe in ihrem Internetauftritt wirbt, Messe Friedrichshafen, …. einfach anders! , so trifft das wohl voll ins Schwarze. Mir ist unklar ob das ironisch gemeint ist. Es ist ein Unding, das man als Aussteller, bei einem familiären Notfall, am letzten Messetag ab Mittag bis 17 Uhr das Gelände nicht mehr befahren darf, nur um seine drei Modelle einzuladen, um die Heimreise anzutreten? Es gibt ihn noch, den deutsche Kadavergehorsam und sei es nur in Form eines rigiden, örtlichen Wachdienstes.

Aber kommen wir zur Messe selber. Meine persönlichen Arbeits- und Lebensumstände ließen es wieder einmal zu, der Einladung der Modellfreunde des PMC- Bodensee und meines Clubkollegen Torsten zu folgen, zur Modellausstellung an den Bodensee zu fahren. Neun Jahre war es her, als ich zum letzten Mal meine Modelle hier ausgestellt hatte. Es war also Zeit, alte Freundschaften wieder aufzufrischen und die Möwen am schönen Bodensee zu besuchen. Wasserburg und Sporthalle Friedrichshafen sind lange Geschichte. Wer es erlebt hat, der wird sich gern daran zurück erinnern. Die Modellfreunde haben mich noch gekannt, die Möwen nicht mehr. Heute stellt der PMC im Rahmen der Modellbaumesse aus. Die Symbiose Modellbauclub und Messe mag ihre Vorteile haben, aber was ich so erlebt habe, festigt weiter meine Meinung, es passt nicht wirklich. Es ist ein Kompromiss, der dem Plastik und Scale Modellbau nicht gut tut. Die Akustik und der nicht abreisende Menschenstrom erinnerte mich ein wenig an den Leipziger Hauptbahnhof. Ich habe mich an meinem Ausstellungstisch immer bei dem Gedanken ertappt, von welcher Seite denn hier nun ein Zug einfahren würde. Aber wer Leipzig kennt, da kommen die Züge nur aus einer Richtung. Eine Halle weiter, da fuhren sie, die Züge. Aber im Kreise, in HO und sonstigen bekannten Maßstäben. Immerhin hatte der PMC Bodensee ein beachtliches Areal in Halle A5, mit reichlich Platz für sich und seine Gäste. So war auch die komplette Bandbreite des maßstäblichen Modellbaus präsent. Die Qualität war durchweg gut bis sehr gut. Vor allem viele hervorragende militärische Fahrzeugdioramen, die mit ihren sehr schönen Details, die Besucher zum Betrachten veranlassten. Wenn es denn soweit kam. Über die Spezies „Messebesucher“ müsste man sich ja mal getrennt unterhalten. Aber, ich hatte mich rechtzeitig, mental auf ihn eingestellt, dem Messebesucher und deswegen hat er mich dann auch nicht enttäuscht. Frauchen mit Hund, Familien mit gelangweilten Nachwuchs, die Oma im Rollstuhl, zugepackt mit dem neuesten technischen RC- Equipment. Hyperaktive Kinder, die ihre Hände nicht mehr unter Kontrolle haben, Mama, hier bewegt sich ja gar nichts?! Überforderte Eltern die einfachsten Fragen ihrer Kinder nicht beantworten können und der adipöse Halbwüchsige, mit einem Eis in der Hand, der mal schnell die halbe Standtischdecke abräumt. Für wahr, ein Spiegel unserer Gesellschaft. Der wahrlich interessierte Messebesucher, mit gezielten Fragen war da schon die Ausnahme. Man muss da schon hart im Nehmen sein und nicht erschrecken, wenn man mal plötzlich angesprochen wird. In so fern tun mir da die Modellfreunde des PMC etwas Leid. Aber sie tragen es mit Fassung und haben sich über die Jahre arrangiert. Ich muss den Gastgebern um Chris, Ricardo und Manfred meinen, unseren Dank aussprechen. Sie haben sich rührend um ihre Gäste bemüht und möglich gemacht, was ging. Den obligatorischen Wettbewerb gab es auch noch. Einige Klassen musste man aufgrund der Beteiligung zusammenlegen. Der FFMC ging mit vier Prämierungen aus der Bewertung. Eine Tombola gab es nicht, aber ein Glücksrad drehte das ganze Wochenende seine Runden und spülte einige Euros in die Clubkasse. Dabei gab es antiquarische Bausätze von Plasticart zu gewinnen, deren wahrer Wert den Gewinnern meist völlig unklar war. Ich habe leider nichts gewonnen, aber wie war das mit dem Glück und der Liebe?

Ja, zu sehen gab es genug. Die Händler, was Plastikmodellbau betrifft, waren doch sehr übersichtlich und ausgesuchte Neuheiten nicht zu haben. Aber es gab ja auch viele andere Dinge, die man für sein Hobby gebrauchen konnte. Interessant für mich auch, welche Möglichkeiten und Neuheiten heute der RC- Flugmodellsport bietet. Noch zwei Tage länger, und ich hätte meine Plastikmodelle stehen gelassen und mir wieder einen Segler gekauft. Leider habe ich es nicht geschafft, mal auf die Flugplatzseite zu wechseln und mit die RC- Flugvorführungen anzuschauen.

Tja, so gingen die zwei Tage am Bodensee schnell vorbei. Den See selber, mit seinem hohen Freizeitwert und der zauberhaften Herbststimmung, habe ich dann von meinem Balkon aus, am schön gelegenen Hotel erleben können. Leider hatte ich keinen Urlaub, wäre gern noch geblieben.

Also, ich fahre da bestimmt noch mal hin. Ob es aber die Faszination Modellbau sein muss? Man muss nicht den großen Messegesellschaften die Leute in die Hallen treiben. Wenn ich es nicht auch auf anderen Messen genau und ähnlich erlebt hätte, würde ich es nicht schreiben. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, das vielleicht eines Tages die Besinnung kommt, auf einem dem, unserem Hobby angemessene Veranstaltung, in übersichtlichen Räumlichkeiten zurück zu finden.

Euer Träumer,
Bernhard "Flugi" Pethe

Zurück zur Übersicht

 

© Flugzeugform Modellbauclub