Pilsen-Kit 2011
27.08.2011, Pilsen, Tschechische Republik

Kai Röther


Wie in den letzten Jahren, gab es auch dieses Jahr wieder eine „Pilsen-Kit“. Da ich diese Veranstaltung äußerst positiv in Erinnerung habe, sollte es auch dieses Jahr wieder dahin gehen. Kurzfristig gesellte sich Axel dazu und so fuhren wir zu zweit in Richtung Tschechien. Die Anreise verlief ohne Probleme, wenn man mal von einigen Schauern absieht. Das Austellungsgelände bot den gewohnten Anblick. Im Außenbereich empfing uns neben einem Löschzug der Feuerwehr, ein Stand mit RC-Fahrzeugmodellbau, eine Hüpfburg, automobile Raritäten aus der Vergangenheit, eine Imbissbude und ein Rekrutierungsbüro der Tschechischen Streitkräfte – Volksfest! Der Kern war natürlich die Modellbau-Ausstellung in der großen Halle.

Beim Gang in die Halle war alles wie immer, viele Leute und jede noch so kleine Nische war durch einen Händler belegt. Weil wir erst kurz vor Veranstaltungsbeginn in der Halle waren, hieß es sich sputen. Hilfreich dabei war, dass wir unsere Modelle im Vorfeld per Online-Registrierung eingecheckt hatten. Beim Aufbauen stellte ich dann fest, das wir wohl doch noch sehr früh dran waren, anders ließ sich die fehlende - sonst herrschende - Enge auf den Ausstellungstischen nicht erklären. Nachdem wir also zügig aufgebaut hatten und weisungsgemäß unser Verpackungsmaterial wieder im Auto verstaut war, starteten wir mit der ersten Überblicksrunde. Im vorderen Teil der Halle konzentrierte sich die Luftfahrttechnik. Der erste Eindruck bestätigte sich auch bei näherem Hinsehen. Waren letztes Jahr noch ca. 5 Meter doppelreihig mit hervorragend gebauten Propellerflugzeugen im Maßstab 1:48 vollgestellt, wer es dieses Jahr nur etwa die Hälfte. Bei anderen Kategorien sah es ähnlich aus. Wenn auch die überwiegende Anzahl der Modelle nach wie vor ein sehr hohes Niveau zeigte.

Auf jede einzelne Kategorie einzugehen würde hier den Rahmen sprengen, daher hier nur die, die mir am Eindrücklichsten hängen geblieben sind. Bleiben wir bei den 48’er Props. Zu erwähnen wären hier drei Ju-88, die meines Erachtens sehr schön zeigten, wie eine Nietreihendarstellung aussehen kann. Sehr subtil aufgebracht, erst auf den zweiten Blick als solche zu erkennen, hinzu kam ein sehr kleiner Durchmesser der „Einzelniete“. Ich denke, diese Art der Darstellung von Oberflächendetails hat das Zeug einen Trend zu setzen. In der gleichen Kategorie konnte man eine Potez 630 von Azur bewundern. Wenn man Bausätze der Marke Azur schon einmal in der Hand hatte, fällt es einem schon etwas schwer zu glauben, dass ein solches Modell daraus entstehen kann. Eine der Ju-88 und die Potez wurden prämiert. Als Drittes gesellte sich eine Bf-109G-6 hinzu, die sich durch viele dargestellte Einzelheiten „unter der Haut“ auszeichnete und natürlich eine Vielzahl geöffneter Verkleidungen aufwies. Bei den 48’er Jets standen bedeutend weniger Modelle als in den Vorjahren im Wettbewerb. Das meiner Meinung nach beste Modell war hier ein F-18D, welche in einem sehr abgenutzten Zustand dargestellt wurde. Bei solchen Modellen sieht man leider sehr häufig, dass nur Flächen abgedunkelt werden, leider meist an den falschen Stellen und fast immer unproportional. Bei dieser F-18 war das viel besser gelöst. Der Modellbauer hat hier offensichtlich sehr genau recherchiert und die Abnutzung und „Fußabdrücke“ dahin gesetzt, wo es plausibel ist. Folgerichtig wurde das Modell prämiert. Den Tisch dominiert hat die Nachbildung eines B-1 Bombers, der ebenfalls überdurchschnittlich detailliert und mit blinkenden Positionsleuchten versehen war. Allerdings wurden die Gravuren für meinen Geschmack zu dunkel betont. Das fand wohl auch die Jury, denn unter den drei prämierten Modellen befand sich dieses Modell nicht. Stattdessen konnte sich hier eine F-4 „Phantom II“ in britischen Farben platzieren, die zwar keine herausragenden Merkmale aufwies, aber insgesamt ein sehr gut gebautes Modell darstellte – einfach eine Augenweide. Eine weitere ähnlich gut gebaute RF-4C "Phantom II" (ich vermute vom selben Modellbauer) konnte sich nicht platzieren. Dafür aber eine sehr sauber gebaute, eher unspektakulär wirkende F-105 "Thunderchief". Alle anderen Modelle fielen gegen die genannten etwas ab. Das betraf vor allem die handwerkliche Umsetzung. Auf den ersten Blick hui, aber auf den zweiten, näheren Blick wurden dann etliche Schwächen deutlich.

Bei den 72’er Modellen sah es insbesondere bei den Jets ganz schön düster aus. Wie auch im letzten Jahr war hier nicht allzuviel zu sehen. Hier ist eindeutig ein Trend zu erkennen, wohin kann man schlecht sagen, auf alle Fälle wird es weniger. Bei den Propellerfliegern war der Tisch voll. Das hervorstechende Modell in dieser Kategorie war eine OV-10 „Bronco“, die sprichwörtlich „durchdetailiert“ war. Es war einfach großartig durch die zum Teil geöffneten Hauben, Deckel und Luken zu schauen und die vielen kleinen Details zu entdecken. An der „Bronco“ sah man einmal mehr, dass der Umgang und die saubere Verarbeitung von tiefgezogenen Hauben ein Muss für den Modellbauer der Spitzenklasse ist. Präsentiert wurde das Modell auf einem kleinen Tabletop-Sockel, ähnlich wie man sie aus der Figurenfraktion kennt. Alles was rechts und links daneben stand, hatte Mühe die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu erlangen. Logisch, das auch dieses Modell zu den von der Jury ausgezeichneten gehört.

Bei der Onlineanmeldung meiner Modelle stieß ich auf die Kategorie 40 – MiG-21 maßstabsunabhängig. Da dieses Flugzeug zu meinen sehr gern und sehr oft ins Modell umgesetzten Originalen gehört, war ich natürlich gespannt und freute mich im Vorfeld auf einen ganzen Tisch voller MiG-21. Leider war diese Kategorie eine totale Enttäuschung. Morgens beim Aufbau verloren sich gerade einmal drei Modelle auf den fünf Metern Tisch. Ich schob dann noch meine 72’er dazu, aber mehr wurden es im Laufe des Tages nicht. Die Jury machte aus der Not eine Tugend, und nahm alles, was nach MiG-21 aussah mit in diese Kategorie. Ob es jetzt eine Jugendklasse war oder ein Händler, keiner war vor Kategorie 40 sicher. Und so konnten dann auch drei Modelle prämiert werden. Eine 48er MF aus dem OEZ Bausatz (stand bei einem Händler) in einer sehr aufwendigen tschechischen Sonderbemalung, eine 48er SMT aus dem nigelnagelneuen Eduard-Bausatz (Jugend-Kat.) und eine 72er PFL aus dem Fujimi-Bausatz. Vielleicht kam die Sonderkategorie auch nur ein Jahr zu früh. Ich könnte mir vorstellen, das des Erscheinen des Eduard-Bausatzes (März diesen Jahres) einfach noch nicht lange genug her ist, um sich auf die Anzahl der Modelle einer solchen Kategorie niederzuschlagen.

Und da wären wir auch schon bei unseren Beiträgen zu dieser Veranstaltung. Axel streute seine Arbeiten der letzten Jahre in diversen Kategorien. So z.B. die Zlin XIII in der Kategorie „Flugzeuge tschechischer Piloten“, „FireCracker“ und „Miss Los Angeles“ standen bei den Zivil-Flugzeugen, die NV-1 und "Chief Oshkosh" bereicherten die Propellerflieger in 1/72. Und der DFW „Floh“ gesellte sich zu Fliegern bis 1920 in 1/72. Ich stellte meinen Bocian (diesmal mit Grundplatte) ebenfalls zu den Zivilfliegern, Fw-190A-8 zu den 72’er Props und die La-7 zu den 48’er Props. Entgegen aller Erwartungen rissen die von mir liebevoll genannten „Schmetterlinge“ von Axel gar nichts. Die Zeit scheint einfach noch nicht reif zu sein für Rennflugzeuge aus den 30'ern in 1/72. Lediglich der inzwischen auch schon nicht mehr ganz neue DFW „Floh“ konnte die Jury überzeugen. Bei den Zivilfliegern wurde der Bocian zu den drei besten der ausgestellten Zivil-Modelle gezählt. Da fängt man dann echt an zu überlegen, welches wohl die Kriterien sind, nach denen bewertet wird. Ein Garant scheint immer noch eine möglichst offene Darstellung zu sein. Je mehr man vom Innenleben sieht, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer Platzierung. Desweiteren scheint eine aufwendige Lackierung begünstigend zu wirken. Aber nun gut, wir hatten jeder eine Platzierung erreicht, wenn auch mit anderen als den favorisierten Modellen. Insgesamt sind wir sehr erfreut über unser Abschneiden.

Was gab es sonst noch. Im Untergeschoß in einem separaten Raum hatte sich Eduard eingenistet und bot die aktuelle Produktpalette zum günstigen Preis. Der neue "Hellcat" Bausatz in 1/72 scheint ein großer Wurf zu sein. Auf jeden Fall war es ein (gefühlter) Verkaufsschlager. Und da es auch zivil-registrierte Hellcats gab, wurde Axel schwach. Auch wenn er sich nie wieder irgend einen Bausatz kaufen wollte. Im Händler-Trubel der Ausstellungshalle präsentierten sich alle möglichen einheimischen Modellbaufirmen mit ihrem Sortiment. Bei einigen dieser Hersteller konnte man auch ganz-oder teilweise fertiggebaute Modell begutachten und so das eine oder andere potentielle Projekt konkretisieren oder sterben lassen. Wenn ich ehrlich bin, sind an diesem Tag viele Projekte "gestorben". Auf solchen Ausstellungen trifft man auch immer mal wieder Anbieter von kleinen, feinen Spezialwerkzeugen. So konnte ich mir endlich ein Punch-And-Die-Set zulegen, ohne dabei gleich arm zu werden.

Im Außengelände gab es die schon bekannte „Kampf-Demonstration“ zwischen einer US- und einer SS-Einheit. Die Deutschen haben schon wieder verloren. ;o)
Zum Mittag wurde wieder in der Gaststätte auf dem Gelände gegessen, einfach, billig aber lecker!
Der nachmittägliche Kaffe konnte an einer kleinen „Bar“ im Eingangsbereich der großen Halle genommen werden - ein Plastebecher, ein Löffel Kaffe, einmal kochendes Wasser. Ich traute meinen Augen nicht. Der Becher machte das mit, aber der Rührer kapitulierte und wurde angesichts der hohen Temperaturen butterweich – aber der Kaffee, wie zu Hause, Klasse!
Interessant war wieder einmal zu beobachten wie die Nachwuchsgewinnung im Nachbarland funktioniert. In die Halle, in der später die Siegerehrung stattfand, sind wir etwas früher als nötig gegangen, um noch einigermaßen vernünftige Plätze zu ergattern. Zu dem Zeitpunkt lief allem Anschein nach die Auswertung eines Nachwuchswettbewerbes. Jedenfalls standen Modelle mit entsprechenden Zetteln auf langen Tischen. Die Zettel waren wohl so etwas wie ein Bewertungsbogen. Dann wurden einige in der Halle anwesende Kinder nach vorne gerufen und bekamen eine Auszeichnung. Kurze Zeit später, sammelten alle Kinder ihre Modelle mit samt Zettel ein. Einmal mehr: Maßstabsmodellbau hat in Tschechien eben einen ganz anderen Stellenwert - beneidenswert.

Nach der Siegerehrung ging es wieder Richtung Heimat, die Gedanken und Gespräche kreisten dabei nicht nur um das Erlebte, sondern auch um die unvermeidliche Rüge durch V1, da wir beide nicht daran gedacht hatten, eine Kamera mitzunehmen. Somit ist das ausnahmsweise mal ein eher textlastiger Ausstellungsbericht. Ich denke aber, demnächst wird auf der Homepage der Pilsenkit für adäquaten Ersatz gesorgt werden.

Das Fazit ist etwas gemischt. Die Ausstellung hat für mich dieses Jahr etwas an Glanz verloren. Und das lag nicht an der Organisation der Ausstellung. Das Team vom KPM Plzen hat ganze Arbeit geleistet und eine erstklassige Ausstellung auf die Füße gestellt, an alles wurde gedacht, nichts dem Zufall überlassen. Ich habe keine Ahnung, wo die ganzen tollen Modellbauer dieses Jahr waren, die sonst die Tische vollgeknallt haben. Vielleicht waren sie ja alle auf den Airshows in Radom (Polen) und Sliac (Slowakei) um sich inspirieren zu lassen und nächstes Jahr bersten die Tische vor neuen Top-Modellen.

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