100 Jahre Agrarflug
20.-22. Mai 2011 Kyritz

Text und Bilder Bernhard Pethe


So um die Jahreswende 1910/11 hatte der Oberförster Alfred Zimmermann eine spektakuläre Idee, zur Vernichtung von Waldschädlingen ein Luftfahrzeug einzusetzen. Er meldete dies 29. März 1911 als Patent an und legte damit den Grundstein für die Agrarfliegerei. Das Agrarflugzeug hat bis heute überlebt und der technische Fortschritt ist nicht von der Hand zu weisen. Dies zu feiern und in einem würdigen Rahmen zu begehen, dazu lud der Förderverein Agrarflug Kyritz e.V., die Stadt Kyritz und der Flugplatz Kyritz- Heinrichsfelde ein. Und viele nahmen die Einladung an und verbrachten ein schönes Wochenende in Kyritz. Der Freitag begann mit einem Kolloquium für geladene Gäste und hatte ein vielschichtiges Themenangebot.

Der Samstag und der Sonntag, vom Wetter gesegnet, war dann Flugbetrieb angesagt. Den Machern um Jörg, Manfred und wie sie alle hießen, war es gelungen einige fliegende Exemplare von Agrarflugzeugen aufzubieten. Neben der legendären Z-37, ein und Doppelsitzig, der M-18 Dromader und das letzte Exemplar einer M-21 Mini Dromader, gab es ein Urgestein der Agrarfliegerei, eine L-60 "Brigadyr". Eingeflogen von tschechischen Fliegerfreunden, mit viel Liebe gepflegt und erhalten, ist es eines der wenigen L-60, welche noch mit dem Original Triebwerk Praga Doris fliegt. Allein diesen Vogel mal wieder fliegen zu sehen, hat meinen 250 Kilometerflug von Arnstadt nach Kyritz gelohnt. Gerade mit dem Flugzeug L-60 wurde 1957 in der DDR der technische Grundstein für ein Agrarflugunternehmen gelegt, das durch seine Organisationsform zu einem, in seiner Zeit effizientesten, weltweit zu zählen war. Etwas überrascht war ich als Einflieger das ich neben meiner Landegebühr auch noch Eintritt bezahlen musste. Kennt man sonst nicht, von artverwandten Veranstaltungen. Erst die Aufklärung eines örtlichen Fliegerfreundes, brachte mir die finanzielle Situation nahe. Keiner im Land hat auch nur einen Euro für so eine einmalige Sache übrig und wenn die Stadt Kyritz hier nicht mit einer fünfstelligen Summe in Vorlage gegangen wäre, hätte es diese Veranstaltung wohl nicht gegeben. In so fern habe ich meinen Obolus gerne beigetragen. Aber kommen wir wieder zur Luftfahrt.

Die Vorflüge der richtigen Flugzeuge mit Wasserabwurf durch die M-18 wurden mit den Flügen der Modellflieger kombiniert. Mit viel handwerklichem Geschick und erstaunlichen Details versehen, wurden die Scale- und Semiscalemodelle von ihren Erbauern vorbildecht demonstriert. Was noch erstaunlicher war, weit über einhundert ehemalige Mitarbeiter des Betriebes Agrarflug der DDR hatten die Gelegenheit genutzt, sich hier zu treffen, wieder zu sehen und alte Geschichten aufzuwärmen. Aber die beste Linse einer Kamera musste scheitern, bei dem organisierten Gruppenbild. Vielleicht hätte man die Kollegen nach den Flugstaffeln aufstellen sollen. Trotzdem, ich habe viele Bekannte Gesichter wieder getroffen, die vor zwanzig Jahren in die Welt verstreut wurden, um mal beim Fachterminus der Agrarflieger zu bleiben. Bei Bier und Bratwurst wurden noch einmal ein Update der unterschiedlichen Lebenswege vorgenommen.

Die Organisation war aus meiner bescheidenen Sicht nicht besser zu machen. Es gab ausreichend Sitzmöglichkeiten, am Nachmittag Blasmusik, Buden und Getränkestände für das leibliche Wohl der Gäste und auch den einen oder anderen Stand mit Überraschungen. Mein alter Freund Torsten von TOM Modellbau hatte auch seinen Verkaufswagen aufgestellt und gleich einen passenden Modellbausatz für mich dabei. Als ich nach 16 Uhr meinen Rückflug antrat, hatte ich das gutes Gefühl, einen schönen Tag gehabt zu haben, zumal die avisierten wilden Gewitter an meinem Landeplatz ausgeblieben waren.

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