Eduard 1:72
Grumman F6F-5 Hellcat
BuNo 72534
"Death 'n Destruction"
USN VF-83, Ensigns Donald McPherson, Bill Kingston, Jr. and Lyttleton Ward
CV-9 USS Essex
Mai 1945


von Jörg Schlegel


Die kurze Geschichte der F6F

Der erfolgreichste US - Navy Jäger im zweiten Weltkrieg wurde 1941 als Nachfolger der F4F Wildcat konstruiert. Nachdem im Juni 1942 der erste Prototyp des trägergestützten Jägers zum Jungfernflug startete, erreichten schon im Januar 1943 die ersten Serienhellcats die USS Essex. Doppelt so schwer wie ihr Vorgänger ermöglichte der über 2000 PS starke P&W R-2800 dennoch ordentliche Flugleistungen. Ihr Hauptvorteil gegenüber ihrem stärksten Konkurrenten, der A6M Zero, lag nicht nur in der etwas höheren Geschwindigkeit, sondern auch in der enormen Beschussfestigkeit.
Dem Schutz des Piloten und aller „lebenswichtigen“ Komponenten des Flugzeugs wurde bei der Konstruktion besondere Bedeutung beigemessen.
Die relativ wenigen Änderungen während des Serienbaus bezogen sich auf Vereinfachungen, wie das Weglassen der MG- Verkleidungen, der hinteren Cockpitscheiben und der unteren Kühlerklappen an der Motorverkleidung. Ab der F-5 kam noch eine Wasser-Methanoleinspritzung hinzu, die aber laut Aussage von Piloten nur sehr selten verwendet werden musste.
Während des Krieges wurden die Nachtjagdvarianten F6F-3N und F6F-5N entwickelt, die ein AN/APS-4 bzw. AN/APS-6 Radar im rechten Flügel erhielten.
Außer der US-Navy nutzte nur die britische Royal Navy die Hellcat im zweiten Weltkrieg und danach nur noch Frankreich. Bei den Amerikanern wurden die Hellcats nach dem Krieg aus den aktiven Einheiten abgezogen und Ausbildungseinheiten zugeteilt oder als Drohnen mit 1000 Pfund- Bomben im Koreakrieg verheizt.

Für alles offen
So lockern Sie eintönige Farbgebungen wirkungsvoll auf!

Für mich war der 72-er Hellcat-Downscale von Eduard ohne Zweifel das Modell des Jahres 2012, nicht nur dass ich acht Stück davon kaufte, sondern immerhin auch zwei Modelle fertig baute und drei weitere den 50% Status erreichten!
Der Bausatz beeindruckte mich vor allem wegen seiner in meinen Augen tadellosen Form. Hier wurde nicht die falsche etwas zu breite und bullige Form des Hasegawa Rumpfes übernommen, wie vormals von Academy. Auch einige Detaillösungen wissen durchaus zu beeindrucken, die Oberfläche des Rumpfes weist die Grumman- typischen Überlappungen des Bleches auf. Aufwand wurde auch dahingehend betrieben, indem man versionsspezifisch zwei Tragflächenspritzlinge fertigte, die der unterschiedlichen Blechbeplankung der F6F-3 und F-5, Rechnung tragen. Sicherlich hätte man hier und da an einigen Kleinteilen mehr ins Detail gehen können, aber dafür gibt’s ja auch die „hauseigene“ Zubehörindustrie. So erschienen kurz nachdem ich den Zusatztank und die Fahrwerksklappen überarbeitet und abgegossen hatte, Teile von Quickboost und kaum das ich einen R-2800 von Aires fertig gebaut und bemalt hatte, das entsprechende Teil aus der Brassin-Serie! Letzterer mit deutlichem Vorteil gegenüber meinem, weil hier der Mittelring mit den Luftleitblechen zwischen den Zylinderköpfen schon dargestellt ist, während ich noch überlegte, wie ich es anstellen könnte.

Aber der Reihe nach: Für das Academy-Modell gab es schon seit einiger Zeit ein „Superdetailset“ von Aires, was den Bau einer gänzlich geöffneten Motorpartie zuließ, sowie geöffneter Waffenschächte. Die erste Herausforderung lag darin, die im Set enthaltenen Motorbrandschotts, die an die falsche Form des Academy-Rumpfes angepasst waren, so zu verändern, dass sie sich mit dem aktuellen Projekt und dem Vorbild in Einklang bringen ließen. Die Schotts waren für mich die wertvollsten Teile des Sets, ich wollte diese auf keinen Fall selbst anfertigen.
Feuer frei! Modellbausägenmassaker! Total unbekümmert mit einem halben Dutzend Bausätzen in der Hinterhand ging es los, die Rumpfvorderteile mit allerhand Sägen, Fräsern und Schabern zu bearbeiten. Ziel war es sie so dünn wie möglich zu arbeiten. Und siehe da: Es ging nichts schief!
Jetzt konnte die Passprobe des ersten Schotts (vom Cockpit aus gesehen) erfolgen. Wie auf den Fotos zu sehen, musste an den Seiten des Schotts das meiste Material abgetragen werden, was aber kaum zu Verlusten an sichtbaren Details führte. Im oberen Bereich muss das Resinteil von vorn betrachtet etwas eiförmiger aussehen. Der dort später anzubringende Ölbehälter muss ebenfalls in seiner Breite reduziert werden(ca. 1,5 mm). Für die Anpassung des zweiten Schotts, wurde das erste mit den Rumpfhälften provisorisch mit Klebeband verbunden. Hier musste zum Glück nicht so viel weggefeilt werden, was vorher auch schon Messungen eines fertigen Eduard- Modells ergaben. Allerdings sind die Vergaserlufteinläufe für unser Modell viel zu klein und müssen ersetzt werden. Dazu war dann ein Griff in den „Zweitbausatz“ nötig.

Als nächstes waren die Öffnungen vor dem Cockpit und die für die Tankeinfüllstutzen an der Reihe. Bei letzteren wurde der innere Bereich der Klappen mit einem flach geschliffenem Bohrer und einem Schaber zunächst „tiefer gelegt“ um dann das eigentliche Loch auszufeilen und einen schmalen Rand stehen zu lassen. (6) Wenn das schiefgeht, bleibt noch die Möglichkeit, die volle Größe der Klappe auszuarbeiten und dann ein entsprechendes Stück Plastiksheet einzusetzen, wie es bei den Zugängen vor dem Cockpit geschah.
Vor dem eigentlichen Ausbau des Cockpits mussten die Benzineinfüllstutzen und deren Abdeckungen nach innen hin, gescratcht werden. Die rechte Cockpitseite wurde von Eduard recht gut wiedergegeben, links wurde das Original jedoch stark vereinfacht und verträgt eine Überarbeitung.
Die farbigen Ätzteile für die Innenraumausstattung hielt ich für absolut gelungen, und es kamen fast alle zur Anwendung. Auf der Rückseite des Instrumentenbretts wurden noch einige Plastikscheiben und Draht verbaut, die durch die zwei offenen Deckel, hätten zu sehen sein können, was sich im Nachhinein bestenfalls mit einer Lampe bewerkstelligen ließ. Ebenso verhielt es sich mit dem Innenleben des Heckfahrwerkes inklusive Fanghakenattrappe. Hier ist durch die kleinen Handlochdeckel auch nichts mehr zu sehen.

Den einzigen Formfehler des Modells, den ich ausmachen konnte, betrifft das Endstück des Rumpfes unter dem Seitenleitwerk, das etwas breiter sein sollte als letzteres. Hier wurde 0,5 mm Plastiksheet beigeklebt.

Der Rumpf konnte jetzt immer noch nicht geschlossen werden, da nun die Bemalung und die Verbindung der beiden anfangs bearbeiteten Schotts anstand. Hier gibt es von meiner Seite keine Patentlösung. Grundsätzlich versuche ich immer so viel wie möglich zusammenzubauen und soviel wie möglich mit der Spritzpistole zu lackieren. Beides steht aber im Gegensatz, also bleibt immer etwas für den Pinsel übrig um Klebestellen oder bei der Montage abgekratzte Farbe auszubessern. Sinnvoll ist es bei der „Verkabelung“ für jeden Draht ein bzw. zwei Löcher zu bohren, manchmal ist es so möglich ihn nicht unbedingt verkleben zu müssen.

Nachdem jetzt endlich die Rumpfhälften montiert werden konnten waren an der Unterseite noch drei Löcher für die bunten Formations-Lampen zu bohren. Hier wurden aus Klarsichtmaterial 1,5 mm Kreise ausgestanzt, von hinten bemalt, eingeklebt, um später mit 1 mm Klebebandkreisen abgeklebt zu werden. Eduard hat sie scheinbar schlichtweg vergessen. Im zuletzt erschienenen Nachtjägerbausatz liegen sie immerhin als Decals bei.

Wie schon anfangs erwähnt, musste oder wollte ich den Pratt & Whitney-Motor nochmals in der Brassin-Version bauen. Leider gibt es auch hier, wenn man etwas pingelig ist, zwei Hürden zu umschiffen. Erstens: Die am zweiten Stern angegossenen Auspuffrohre nehmen zwar sehr viel Arbeit ab, was das Ausrichten dieser Teile bei einzelner Anbringung angeht, es sind jedoch, weil anders der Abguss so nicht möglich gewesen wäre, einige Zwischenräume mit einer recht dicken „Fischhaut“ ausgefüllt. Mit Minifräsern und Skalpell mussten hier zwei Abende ins Land gehen, um ein einigermaßen zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen. Zweitens: Das Kurbelgehäuse hat meiner Meinung nach eine etwas zu gedrungene Form. Das Bausatzteil war mir zu kegelförmig und kaum detailliert, ein Vector-Teil etwas zu klein, einzig Hasegawas B-26-Motorteil fand ich gut. Leider waren die Anbauteile dort auch etwas einfach bzw. anders dargestellt. Letzten Endes entfernte ich vom Hasegawateil die Anbauteile und ersetzte sie durch die von Eduard, Vector und Aires, formte das fertige Teil ab und habe nun keine Probleme mehr mit mir, wenn ich einen P&W R-2800-Kurbelgehäuse des mittleren Produktionsloses mit unverkleideten Zündmagneten brauche!
Wer die Sache nicht so genau nimmt, spart sich mit dem Brassin-Motor dennoch viel Arbeit. Das schwierigste ist das ordentliche Abtrennen der Sterne vom Anguss bzw. deren Anpassung und Verklebung. Lackiert wurden die Sterne mit Alclad Aluminium, dem ein Wash mit schwarz-brauner Farbbrühe folgte. Der Mittelring mit den Luftleitblechen und die Stößelstangen sollten schwarz sein, die Auspuffrohre stahl – oder rostfarben. Im Zusammenspiel mit dem sehr schönen Zündverteilerring entsteht ein originalgetreuer P&W R-2800. Dieser passte recht gut an das Aires-Schott.

Als nächstes folgte der Anbau des Cowlingvorderteils inklusive Lufteinlauf. Für die nun folgenden Lochbleche der Unterkonstruktion musste wieder etwas gepuzzelt werden. Die Aires-Teile passen nur zum Teil, einiges musste aus den sehr zu empfehlenden Zubehörsets von AML und Eduard (AMLE 80 006 und EDU 00100), bzw. vom Brassin-Set verarbeitet werden. Zuletzt wurden die Kühlerklappen an den Streben angebracht und das ganze Ätzteilkonglomerat um den Motor herumgeklebt.
Jetzt kann der komplette Rumpf einige Wochen zum „Trocknen“ beiseite gelegt werden und man kann sich den Tragflächen widmen.

Bevor die Tragflächenhälften ausgeschnitten und von innen ausgedünnt wurden, habe ich sie mit dem Rändelrad bearbeitet. Dabei kam ich auf die Idee eine Zeichnung (mit Nieten) auf Tamiya- Klebefolie zu kopieren und diese praktisch als Schablone zu benutzen. Das funktionierte bei ersten Versuchen recht gut und brauchte weniger als die Hälfte der Zeit als bei der herkömmlichen Methode. Nachteilig ist, dass das nur bei recht flachen Teilen funktioniert (manchmal hilft eine leichte Vergrößerung um 1-2%). Außerdem muss man mit dem Rändelrad etwas mehr aufdrücken und braucht im Voraus einige Zeit um die Folie exakt zu positionieren. Eine Zeichnung die möglichst genau, in Bezug auf die Blechstöße/Gravuren, mit dem Modell übereinstimmt ist natürlich unbedingte Voraussetzung. Wie schon erwähnt, müssen die Tragflächenhälften für die Aufnahme der Waffenschächte von innen dünner gefräst und geschliffen werden. Eduard`s Ätzteilversion der Schächte ist der Resinversion von Aires auf jeden Fall vorzuziehen, da sie nicht nur besser detailliert sind, sondern auch direkt auf das Eduard-Modell zugeschnitten sind. Sorgfalt ist bei der Ätzteilverarbeitung oberstes Gebot, denn einige Kleinteile gibt’s nur einmal und das Biegen von Teilen in die falsche Richtung hat bei der Korrektur meist das Abbrechen zur Folge. Für die farbliche Behandlung sollte man auch einen Plan haben, da nicht alle Stellen gut zu erreichen sind.

Die fertigen Komponenten wurden in die oberen Halbschalen eingeklebt, nachdem die Landeklappen von diesen abgetrennt wurden und das Profil von innen eingefräst, gefeilt und geschliffen wurde. Womit wir bei der nächsten Baustelle wären. Hier bietet die Zubehörindustrie nichts an. Das hat seinen Grund wahrscheinlich darin, dass es technologisch ziemlich schwierig sein dürfte die Grumman-Konstruktion ansprechend umzusetzen. Ein kompletter Resinflügel wäre nötig. Also „Selbst ist der Mann“.
Bei der Hohlkehle, die in der oberen Hälfte entstehen soll, stört der dreieckige Tragflächenfortsatz und das Querruder. Beides wurde entfernt. An den unteren Hälften muss nur das beim Original bewegliche Blech, das die Flügelstruktur bei ausgefahrener Klappe verschließt, abgetrennt werden. Dieses wird nach dem Verschließen der Tragflächenhälften, mit Plasticsheet in angeklappter Position wieder nachgebildet.
Für die Aufnahme der Klappen wurden entsprechende Löcher gebohrt. In der Oberhälfte befinden sie sich in der Hohlkehle. Das lässt sich gut bewerkstelligen, wenn man den Bohrer wie eine Feile benutzt. Für die Landeklappen selbst musste der Zweitbausatz wieder herhalten. Es braucht etwas Geduld (und vielleicht einen Drittbausatz) um die entsprechenden Wölbungen vor allem bei der langen und geknickten Klappe anzufeilen. Noch mehr Geduld brauchte ich für die Anfertigung der Anlenkungen und Aufhängungen. Sie bestehen aus 0,4 mm Kanülen und aus im Schraubstock flach gepresstem 0,3 mm Kupferdraht, dünnem Blech und für die Darstellung der Federn aus 0,15 mm Draht. Bis zur Lackierung werden die Landeklappen beiseite gelegt. In die linke Tragfläche wurde noch eine Guncamera, welche aus Plasticsheet und Ätzteilresten entstand, eingebaut.
Wenn die Tragflächen verschlossen sind, klaffen auf der Unterseite noch je sechs eckige Löcher die, die Aufnahme für die Raketen darstellen. Ich wollte keine Raketen an dem Modell haben, klebte sie aber trotzdem an. Nur um sie nach dem Trocknen wieder abzuschneiden. Allerdings so, dass die Aufnahmen übrig blieben. Da hab ich mir eine Menge Ausrichtarbeit der kleinen Fitzelchen erspart! Blöderweise haben sie die falsche Form. Sie sollten im Querschnitt oval sein. Im eingeklebten Zustand lassen sie sich aber gut in Form bringen.

Jetzt ist es soweit: Die Flügel können angeklebt werden. Neeein! Da schaut doch der Hauptholm noch aus dem Rumpf heraus. Einfach abtrennen ist nicht, mit etwas Mühe könnte man von oben durch den Rumpf die „Schluderei“ ausmachen. Also aus der Fläche die entsprechenden Stellen ausgeklinkt und angepasst.
Fehlen noch die Höhenruder. Mittlerweile sind sie von Quickboost in getrennter Form erhältlich. Ich musste noch selbst Hand anlegen.

Bis zur Lackierung „vertrieb“ ich mir die Zeit mit der Überarbeitung einiger Anbauteile. Das Hauptfahrwerk wurde mit Kanülen, Academy-Teilen und Plastikmaterial dem Original etwas näher gebracht. Die Abdeckungen des Hauptfahrwerks erschienen mir einen Tick zu dick. Da sie sich wegen ihrer Form nicht so einfach dünner schleifen lassen, klebte ich sie auf einen Klotz, umgab die Teile mit 0,25mm Plastiksheet und formte sie mit Silikon ab. Beim späteren Ausgießen wurde die Form bis zum Aushärten zusammengedrückt, wodurch sich die Dicke der gegossenen Teile um die des Sheets verringerte. Beim einteiligen Heckradbauteil wurde der Steg aufgebohrt, das Rad und die Verkleidung abgetrennt. Die Verkleidung wurde aus dünnem Sheet neu gebaut, das Rad auf der Minibohrmaschine neu gedreht und mit einer Felge aus dem Ätzteilset „WW I Prop Bosses“ dekoriert. Die Halbschalen des Zusatztanks wurden an den Klebestellen leicht angeschrägt, so dass sich nach dem Verkleben eine Gravur ergibt. In diese wurde ein dünn gezogener Gussast eingeklebt, der die typische vertikale Sicke des Tanks darstellt.

Mit den Klarsichtteilen hatte ich auch ein kleines Problem: an den Rändern maßstäblich dünn ausgeführt, verdicken sie sich in einer Art Welle nach innen hin. Das ergibt unschöne Verzerrungen an der Frontscheibe. Für die Darstellung des offenen Cockpits ist ein zweites, größeres Teil der Schiebehaube vom Bausatz her vorgesehen, welches über den Rumpf passt. Ich habe mir ein rumpfkonformes Holzstück geschliffen, mit Schleifpapier bespannt und damit das kleinere und maßstäblich korrektere Teil für die geschlossene Darstellung der Haube bearbeitet. Wenn man bei ungefähr 0,5mm Materialstärke angelangt ist, passt die Haube mit ganz sanftem Druck prima über den Rumpf. Zum Schluss wurde das Schleifpapier durch Stoff ersetzt und mit Zahnpasta poliert.
Bei dem Frontteil ist die Sache etwas komplizierter, die eigentliche Frontscheibe sollte nicht bearbeitet werden, denn nur die Seiten haben die störende Welle. Mit einem abgeschliffenen Minifräser ging ich zuerst ans Werk. Dann folgten Kugelfräser, Schleifpapier, Gummi- und Filzpolierer. Die Frontscheibe wurde von innen zum Schutz abgeklebt und von außen mit Klebeband und Pappe zum besserem Festhalten beklebt. Auch hier war ich glücklich über meine Zweit- und Drittbausätze.

Zu guter Letzt dienten diese zum Teil auch noch als Lieferanten für die abgenommenen Bleche der Rumpfverkleidung, da das Eduard-Brassin Set hier nicht alle Teile beisteuert. Nach dem Dünnerschleifen der Innenseiten der Bleche habe ich mir überlegt diese zu einem Stapel zusammen zu kleben damit das Diorama später etwas „aufgeräumter“ wirkt.
Die Handlochdeckel für den hinteren Rumpfbereich entstanden aus 1,8mm Plastikscheiben und einem dünnen Stück Draht, die Tankdeckel mussten aus dünnem Sheet ebenfalls selbst hergestellt werden.

Dann konnte ich mich endlich der Lackierung der Hauptkomponenten widmen. Wegen der besseren Zugänglichkeit blieben diese vorerst noch zerlegt. Die detaillierten Bereich wurden vorsichtig abgeklebt, bei den Waffenschächten hilft die von Eduard eigentlich zum Ausschneiden der Tragfläche gedachte Schablone. Die Kanzel und andere Anbauteile wurden separat lackiert. Eine Vorschattierung erwies sich bei dem dunklen Navy-Blue als sinnlos.

Nach dem Auftragen der Grundfarbe wurden die Stoffbespannten Ruder etwas heller absetzt, ebenso einige Bereiche zwischen den Blechstößen. Das einzig anspruchsvolle der Lackierung stellt die Abgasfahne am Rumpf dar. Hier setzen sich beim Original zuerst helle Abgaspartikel auf der dunkleren Farbe ab und dann wieder die dunkleren auf den helleren Verschmutzungen. Dazu habe ich eine Pappschablone welche mit Abstandhaltern aus „Tac“ aufgesetzt wurde. Zuerst wurde helles Grau gesprüht, dem freihand ein dunkleres Graubraun folgte. Zum Schluss wurde schwarzbraune Pastellkreide nahe der Auspuffrohre aufgetragen. Die Tragflächen sollten bei dieser Prozedur mit einbezogen werden. Auf der Unterseite wurde ähnlich verfahren, nur ohne Schablone.
Somit wären wir dann schon bei den Decals. Durch Tests im Vorfeld erwiesen sich die weißen Kennungen und Hoheitszeichen als unglaublich gut deckend und sehr anschmiegsam, so dass Lackieren oder das doppelte Aufbringen (ich hatte ja genug davon!) unnötig war. Der Druck ist ebenso hochwertig, einziger Kritikpunkt aber sind die fehlenden Stencils. Diese wurden dem Hellcat-Bausatz von Dragon entnommen – sie stellen dort das Beste an dem Kit dar.
Nach dem durchtrocknen der Decals wurden diese mit Airbrush und Pastellkreide noch ein wenig verschmutzt. Die Blechstöße habe ich mit einer Mischung aus Schwarzbrauner Ölfarbe und Feuerzeugbenzin bearbeitet, was sehr schnell trocknet und die Farbe nicht angreift. Den Abschluss bildet dann eine Schicht seidenmatten Klarlacks.

Über die Endmontage möchte ich mich nicht weiter auslassen – sie erfolgte in einer aufreibenden Nacht vor dem eDay 2012 – nur das eine noch: Die offene Schiebehaube, welche nur unter sanften Druck über den Rumpf passt, fixiert man am besten mit einer Klebeband-Papier-Kombination und lässt mit einem Pinsel vorsichtig Klarlack an die Berührungspunkte (Laufschiene) laufen. (53) Nach acht Stunden kann dann das Klebeand entfernt werden – also auf dem Wettbewerbstisch…

Meine Begeisterung für diesen Bausatz tat ich ja schon am Anfang des Berichtes kund, trotzdem noch einmal: Ich kann diese Hellcat nur empfehlen! Selbst aus dem Kasten gebaut macht dieses Modell eine tolle Figur.
Für alle, die mal etwas „Offenes“ bauen möchten, ist das Modell in Kombination mit dem Brassin-Motorset und den Ätzteil-Waffenschächten eine lohnenswerte Anschaffung. Die Hellcat eignet sich vor allem auch dadurch, dass es genügend Vorbildmaterial gibt. Man sollte jedoch bedenken, dass bei solchen Umbauten die Geometrie des Modells mit jedem Absägen und Wiederankleben leidet und es manchmal fast unmöglich ist diese wiederherzustellen. Der finanzielle Aufwand ist natürlich auch nicht zu unterschätzen, rechnet man allerdings die „Arbeitsstunden“ dagegen, fallen die Zubehörsets nicht mehr so ins Gewicht.

Kritikern, die der Meinung sind, dass auf Trägerdecks niemals auseinandergenommene Flieger standen, sei die „Revised Edition“ des Detail & Scale – Heftes empfohlen, wo David Mc Campells „Minsi II“ zerlegt auf dem Deck der USS Essex zu sehen ist, als dieses Schiff im Ulithi-Atoll vor Anker lag.

Grumman F6F-5 Hellcat
Maßstab 1/72, Eduard, Kit Nr.7077

Verwendetes Zubehör:
Eduard Brassin 672001 R-2800-10 engine
Aires Detail set for Academy kit 7035
Eduard F6F Gunbay 72523
Eduard Rivets stripes 00100
AML AMLE 80006

Eigenbauten:
Landeklappen, diverse Details

Verwendete Farben:
Grundlackierung: Gunze Mr.Color 365 FS 15042 Gloss Seablue, 181 Semi-Gloss Superclear,
Xtracolor: Zinc Cromate Yellow u. Green,
Sonstige Farben: Revell,
Diverse Metalltöne von Alclad II

Bauzeit: ca. 120 Std.

Quellen:
Monografie Lotnice Nr.15 „F6F Hellcat“
Detail & Scale Vol. 49 „F6F Hellcat“ –Revised Edition
„F6F Hellcat in Action“ Squadron/signal publications Aircraft No. 36
Walk Around No. 6 „F6F Hellcat“ Squadron/signal publications
Flight Deck „US Navy Carrier Operations 1940-1945“ Squadron/signal publications

Zurück zur Übersicht

 

© Flugzeugform Modellbauclub