AZmodel 1:72
Let L-60
"Brigadyr" im Doppelpack


von Bernhard Pethe


Die Modelle
Die ersten Passprobleme kommen beim Einbau der fotogeätzten Gerätetafel, da der Kabinenausschnitt zu schmal ist. Solche unschönen Kleinigkeiten ziehen sich durch den gesamten Bau des Modells. Farblich gab es unterschiedliche Gerätetafeln. Ich habe beide Mattschwarz gemacht, was zumindest für die Schweizer L-60 nicht zutrifft. Hier hatte ich die passenden Fotos zu spät bekommen. Im Kabineninneren dominieren hellgraue Farben. Im Deckenbereich der Kabinenhaube wurden zwei Rohrholme angepasst und eingeklebt. Vor dem vorderen Holm kommt noch ein Steuergestänge. Einen Schnapskompass an die vordere Scheibentrennstrebe vervollständigt den Innenbereich. Während das Schweizer Cockpit die hintere Sitzbank spendiert bekommt, wird bei der Agrarflugvariante hier ein Chemikalienbehälter eingepasst. Der im Bausatz befindliche Behälter hat nun überhaupt keine Ähnlichkeit mit seinem Original. Aus Magic Sculp wurde ein neuer Behälter modelliert. Mit Plastikklebstoff wird die Haube angeklebt, die vorher innen mit Future behandelt wurde. Als vorbereitende Maßnahme werden die beiden Stützen seitlich an den Rumpf geklebt. Die dafür vorgesehen Punkte unterhalb der Kabinentür sind falsch. Diese müssen ca. 4 mm weiter nach hinten verschoben werden. Dies ist wichtig, da sonst die Fahrwerksbeine im falschen Winkel unter die Flügel positioniert werden. Um ausgefahrene Landeklappen darzustellen, mussten Distanzstücke in die Hohlkehlen der Flächen geklebt werden, um bei montierter Klappe einen kleinen Luftspalt zu lassen. Die Klappen fuhren zwischen 15 und max. 50. Für die ausgefahrenen Vorflügel wurden auf beiden Seiten je 5 Schubstangen in die Nasenkante eingelassen, an denen die Vorflügel angeklebt wurden. Dies geschieht aber erst im Rahmen der Endmontage. Bei dem Agrarflieger wurde dann auch noch das Höhenruder von der Flosse getrennt. Und weil das nicht reichte, auch noch das Trimmruder und die beiden Flettnerruder vom Höhenruder.

Beim Anbau der Fahrwerke müssen die Tragflächen schon angeklebt sein. Eine minimale, positive V-Stellung ist dabei einzuhalten. Die Fahrwerksbeine werden zuerst angeklebt und nach einer angemessenen Trockenzeit kommen die Stützstreben der Tragflächen hinzu. Die Räder mit der passenden Reifengröße und Felge waren das nächste Hindernis. Im Bausatz schlicht, falsch. Modellfreund Ronny, musste mir hier mit der richtigen Größe mit einigen Resinabgüssen aus der Patsche helfen. Radkappen aus dickerer Alufolie brachte dann die entsprechende Optik. Die Schneekufen aus den Bausatz sind eine frühe Variante und wurden zusätzlich etwas verfeinert. Später gab es eine geänderte Form der Schneebretter. Nächste Baustelle, Propeller. Die Propeller haben im Bausatz keine Achse. Hier benutze ich gern zwei unterschiedliche Größen von Stahlkanülen, die gut ineinander passen. Die dünnere dient als Propellerachse und wird mit einem Zweikomponentenklebstoff in den Spinner eingeharzt. Das dickere Röhrchen wird als Lager in das Triebwerk eingeklebt. Ergebnis dieser Arbeit, ein leicht drehender Propeller. Die im Bausatz vorhandene Streuanlage für Feststoffe ist sehr rudimentär wiedergegeben und so nicht verwendbar. Es lag also auf der Hand, hier etwas Neues anzufertigen. Warum nicht gleich eine Sprühanlage für Pflanzenschutzmittel, mit seitlichen Rohrauslegern? Vorbild waren hier originale Betriebshandbücher, an dem man den Aufbau der Anlage erkennen konnte. Abbildungsvergleiche mit Teilen der Flugzeugzelle ergaben die etwaigen Abmessungen.

Bis auf die Cremefarbe bei der Schweizer L-60, gibt es gut passende Farbtöne im Revell -Sortiment. Creme mischt man mit Weiß 301 sowie Rot und Gelb. Man sehe mir bitte nach, aber das Mischungsverhältnis kann ich nicht mehr verifizieren. Der abgesetzte Zierstreifen bei beiden Modellen wurde mit einem Decalstreifen bewerkstelligt. Die Vorflügel wurden erst mit Alclad II Silber gespritzt, bevor sie dann mit Blau behandelt wurden. Nach dem Trocknen, lassen sich dabei sehr schön Farbabplatzer und Schrammen mit einem Skalpell einarbeiten. Aber Vorsicht, nicht übertreiben. Aus einem Legato- Kit hatte ich die Kennzeichen für die HB-EZC. Nur die Größe stimmte nicht so ganz und für die Tragflügel gab es nur ein Kennzeichen für die Oberseite. Bei der DM-SIH waren die Buchstaben für das Kennzeichen am Rumpf zu groß. Nun war wieder guter Rat teuer. Ein schneller Anruf bei meinem Freund Axel brachte eine Verbindung zu XS- Models zustande. Hier bekam ich genau das, was ich brauchte, passgenau und qualitativ vom Feinsten.

Nach dem alle Decals ihren Platz gefunden hatten, begann das Ankleben aller Kleinteile. Die Trittbügel unter den Türen wurden aus dünnem Kupferdraht gefertigt. Wichtig, und in der Bauanleitung nicht aufgeführt, die Trittstangen an den Fahrwerksbeinen und unteren Stützstreben aus dem gleichen Material. Staurohre und Abgasrohre müssen selber angefertigt werden. Entsprechende Maßangaben findet man in der Bauanleitung. Auch kurze Bremsleitungen wurden angebracht. Die Schneebretter wurden lose mit einem gummiartigen Beilauffaden verspannt. Ein Lande- und Rollscheinwerfer entstand aus einem Stück Rundmaterial, hinten abgerundet, die Vorderseite aufgebohrt. Der Reflektor aus einem Schnipsel Alufolie und die Streuscheibe aus einem Tropfen Zweikomponentenklebstoff. Fertig. Danken möchte ich:

  • Jörg Federlin (Fotos HB-EZC)
  • Andreas Krause von XS-models
  • Godert Wuttke
  • Ronny und Axel

Die Geschichte der Schweizer L-60 HB-EZC c/n.151116
Beim AZ- Deckelbild der Schweizer Maschine gab es diverse Unklarheiten. Im Zuge einer einjährigen Recherche kamen dann die Dinge zum Laufen, wie ich sie mir anfänglich nicht gedacht hätte. Mein lieber Sohn ließ mir einige Bücher zum spannenden Thema Gletscherfliegerei zukommen. Zwei große, berühmte Namen sind dabei die Schweizer Piloten Fredy Wissel und Herman Geiger. Fliegerisch, für die damaligen Anfänge der Rettungsfliegerei mit Flächenflugzeugen im Alpinen Hochgebirge, äußerst anspruchsvoll und nicht ungefährlich. Fredy Wissel war Fluglehrer von Herman Geiger. Immer auf der Suche nach einen brauchbaren und leistungsfähigen Flugzeug für seine anspruchsvollen Aufgaben, übernahm Wissel am 24.01 1960 eine L-60 mit dem Kennzeichen HB-EZC. Aber die L-60 hatte, was Wissel damals sicher noch nicht wusste, gerade mit ihrem Praga "Doris" Triebwerk einige Probleme. Als Wissel mit zwei Passagieren bei einem Rundflug im Bernina Gebiet unterwegs war, setzte schlagartig das Triebwerk aus. Mit einer sauberen Notlandung setze er die L-60 auf den Pers- Gletscher. So kam es am 29.März 1965 unter Wissel und Geiger zu einer wohl einmaligen und spektakulären Bergungsmission. In einer gut vorbereiteten, aber doch geheimen Aktion wurde die L-60 von einer Pilatus "Porter" im F- Schlepp von Gletscher geflogen (06). Interessant und spannend nachzulesen, mit Bildern in dem Buch (ISBN 3-9520582-0-3) "Der Fliegende Hotelier" von Theo Haverkamp, das 1994 erschienen ist.
So elegant die L-60 auch war, sie war aber für das Hochgebirge ein lahmer Vogel. Und so wurde sie 1967/68 gegen eine Maule (HB-ETN) mit einem etwas besserem Masse/Leistungsverhältnis ausgewechselt. Von Wissel ging sie nach Deutschland an einen Herrn S. aus Frankfurt/M. 1973 wurde sie an einen Vereinskollegen weiterverkauft. In Deutschland flog sie mit dem Kennzeichen D-EKDO. Bei einem Hangarbrand in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1979 in Langenselbold wurde sie leider völlig zerstört. Die komplette Borddokumentation, der Propeller und einige Kleinteile sind bis heute erhalten geblieben.


Geschichte der Agrarflugvariante
Mit dem Beginn der Serienproduktion 1957 kamen auch die ersten Flugzeuge zur Deutschen Lufthansa (DDR), Betriebsteil Wirtschaftsflug. Die ersten aviochemischen Flüge fanden am 20.03.1957 in Wesendahl, Kreis Strausberg statt. Bis 1960 stieg die Anzahl der Flugzeuge beim Wirtschaftsflug auf 45 Stück. Für den Einsatz als Agrarflugzeug war der "Brigadyr" nicht optimiert. So kam es zu den unterschiedlichsten Unfällen und Havarien, bei denen 30 Maschinen verloren gingen. Die "Brigadyr" wurde ab 1967 schrittweise von dem speziellen Agrarflugzeug Z-37 "Cmelak" abgelöst. Mit der L-60 wurde der technische Grundstein für ein Agrarflugunternehmen gelegt, das durch seine Organisationsform zu einen, in seiner Zeit effizientesten, weltweit zu zählen war. Die DM-SIH, c/n.150712 (08) wurde am 27.02.1958 bei der deutschen Lufthansa registriert und im April 1962 nach einer Havarie abgeschrieben.


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