Modelsvit 1:72
Je-152A
OKB MiG
1961


von Bernhard Pethe


Geschichte: Ich persönlich bin mit den Falschmeldungen dieses Flugzeuges aufgewachsen. Was falsch war, wurde mir erst fast 30 Jahre später klar. Trotzdem war es eine spannende Zeit und überaus interessant, diese Flugzeugentwicklungen in den 1960er Jahren zu verfolgen. Heute liest sich das alles so glatt in der einschlägigen Literatur.

Die E-152 und E-152A (auch Ye-152/Ye-152A) wurden in den späten 1950er Jahren aus dem Abfangjäger E-150 vom OKB-156 entwickelt. Wegen der begründeten Angst vor möglichen Störungen bei dem neu entwickelten R15-300 Strahltriebwerk für die Ye-150, ging man schnell einen Schritt weiter und baute den zweiten Prototyp um und gab ihm die Bezeichnung E-152A.
Dieser nun wurde angetrieben von zwei MiG-21 Triebwerken R11F-300, die jeweils einen maximalen Schub von je 3880 kg oder 5740 kg im Nachbrennerregime hatten.
Für den Bau der E-152A wurde die komplette Zelle der zweiten E-150 verwendet. Die Tragflächen, der Stabilisator und das Seitenleitwerk hatten die gleichen geometrischen Abmessungen und Aufbau, wie die der E-150. Der Rumpf war bis auf das Heck identisch, aber der Lufteinlasskegel der E-152A war im Vergleich zu E-150 nicht verstellbar. Das Lufteinlassregime wurde gesteuert, indem am Rumpfbug ein Schalenring zurück und vorwärts bewegt wurden.
Die E-152A war für die Aufnahme von zwei K-9-155 Lenkflugkörpern vorgesehen, wobei die neue Radaranlage TsP-1 zum Einbau kam. Der Flugkörper sollte Teil des automatischen Abfangsystems "Uragan-5B" sein und mit den Abfangjägern E-150, E-152-1, E-152A, E-152-2 und E-152P / M verwendet werden. Ein interessanter Aspekt ist dabei die farbliche Gestaltung der Steuerflächen der Rakete. Man wollte hier doch tatsächlich die Nähe zur amerikanischen AIM-7 „Sparrow“ Luft-Luft-Rakete vortäuschen. Die E-152A absolvierte noch vor der E-150 am 10 Juli 1959 mit G.K. Mosolow im Cockpit ihren Erstflug. Nach Beendigung des Flugtests im August 1960 hatte die E-152A insgesamt 55 Flüge und nur 2 Flüge mit K-9 Raketen- Dummys durchgeführt. Sie erreichte dabei eine Geschwindigkeit von 2500km/h in einer Höhe von 20 000 Meter. Das E-152A wurde 1961 am Ende der Luftparade in Tuschino öffentlich gezeigt und erzeugte große Aufmerksamkeit bei den NATO-Experten, die ihr den Namen „Flipper“ gaben.

Bausatz:
Wieder ist es, nicht unerwartet Modelsvit, die dieses Einzelexemplar sowjetischer Luftfahrtgeschichte in Kunststoff gegossen oder besser gespritzt hat. Als limitierte Auflage von 1000 Stück ist mit Sicherheit für jeden interessierten Modellbauer ein Exemplar zu bekommen.
Elf Spritzrahmen sind im Karton gut verpackt. Dazu gibt es noch eine Ätzteilplatine mit Sitzgurten, Teile zum Lufteinlauf und den Radwendemechanismus an den Hauptfahrwerken. Eine Maskierbogen für die Kabinenhaube vervollständigt den Bausatzinhalt. Gut gemacht, wieder die 8 seitige Bauanleitung, die jeden Schritt mit 28 Zeichnungen erklärt.
Die Teile sind short-run mäßig hergestellt, habe feine, saubere Paneellinien und sind gut detailliert.
Varianten sind zwei möglich, wobei es die gleiche Maschine ist, nur der Darstellungszeitraum ist ein anderer. Der Zusammenbau beginnt mit dem Schleudersitz, der aus neun Teilen zusammengefügt werden muss. Die Sitzgurte kommen aus der Ätzteilplatine. Das Cockpit wird als Konstrukt mit dem Lufteingangsteil zusammengefügt. Die beiden Triebwerke sind je fünf Teilen optisch gut umgesetzt und besitzen auch die nötige Tiefe. Am Rumpfende sind mit Sicherheit ein paar Anpassarbeiten fällig. Die Tragflächen, die Stabilisatoren und das Seitenleitwerk bestehen aus je zwei Halbschalen. Fahrwerksbeine und Klappen haben die entsprechenden Details. Sehr fein, das lange Staurohr, aber Vorsicht, Bruchgefahr. Wer möchte, kann die beiden K-9 Raketen Dummys noch zusammensetzten und unter die Flächen hängen. Farblich dominiert bei diesem Modell das Silber. In der Bemalungsanleitung (Humbrol) spricht man von Chrome Silber. Würde ich wörtlich jetzt nicht so nehmen, eher schlichteres Silber mit schattierten Blechpaneelen. Der zweite Prototyp wurde in einem sehr hellen Grau lackiert. Das nur so nebenbei und wird in der Bauanleitung auch nicht thematisiert.

Für den Bau dieses Modells habe ich mir das passende Zurüstset von Mini World (7246) besorgt.
Ein aus Aluminium präzise gedrehter Einlaufkegel und eine messerscharfe Einlauflippe. Das bekommt man aus Plastik so nicht hin. Zum Set gehört noch ein Staurohr, eine Schwertantenne und drei Messsonden. Qualitativ hochwertig, was natürlich auch seinen Preis hat. Wie das alles zusammen passt, das hat mich interessiert.
Der Bau des Modells ist soweit ich keine Änderungen vorgenommen habe, normale Hausmannskost und von jedem Modellfreund zu händeln. Das Anpassen des neuen Lufteinlasses wird in der Bauanleitung von Mini World genau beschrieben und passt letztlich hervorragend. Die Stabilisatorflächen habe ich nicht stumpf am Heck angeklebt, so wie es die Bauanleitung vorsieht. Diese wurden mit Drehachsen versehen und mit Spalt eingesetzt. Eine aufwendige Arbeit, die der abschließenden Optik des Modells zu gute kommt, alle Teile wurden mit dem Nieträdchen bearbeitet. Die seitlichen Zusatzluftklappen wurden entfernt und durch dünneres Material ersetzt.
Die Fahrwerks- und die mittlere Bremsklappe sind im Bausatz auch zu dick und wurden dünner geschliffen. Die Cockpithaube ist die aus dem Bausatz, obwohl ich lange überlegt habe, hier eine Vaku- Haube anzufertigen. Aber das Aufpolieren mit Zahnpasta und das abschließende Bad in Future war die einfachere Variante und muss auch mal den Zweck erfüllen.
Bei der farblichen Gestaltung wurden Farben von Alclad II und Revell verwendet. Den vorderen Einlaufring habe ich farblich unbehandelt gelassen. Auch wenn der Kontrast etwas auffällig ist, das zeitgenössische Bildmaterial lässt das aber durchaus zu.

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