Hasegawa 1:72
Junkers Ju 88 C-6
Lt. Heinz Rökker
I./NJG 2
Sizilien 1943


von Rolf Seyfried

Ab November 1941 verlegte die I. Gruppe des Nachtjagdgeschwaders 2 an den Kriegsschauplatz am Mittelmeer. Im Januar 1943 wurden die Ju 88 C-6 der I. Gruppe des Nachtjagdgeschwaders 2 in Stendal, Brandenburg-Briest, Salzwedel, Berlin- Diepensee, Jüterborg und Werneuchen mit dem FuG 202 "Lichtenstein" ausgerüstet. Im Februar geht es für die 2. und 3. Staffel zurück ans Mittelmeer nach Castelvetrano auf Sizilien. Eine dieser Maschinen war die R4+FK geflogen von Lt. Heinz Rökker und seiner Besatzung.


Lange gab es in diesem Maßstab eigentlich nur die Bausätze von Italeri (Revell, Bilek) und ATM/Ertl, sieht man von den ganz alten, und äußerst teuren Resinmodellen ab. Zeitgemäß waren die beiden erst genannten allerdings auch nicht mehr und so erleichtert es uns Hasegawa mit den neuen Bausätzen ungemein, ein originaleres Modell zu bauen. Weshalb die verschiedenen Versionen aber so limitiert erscheinen, bleibt mir ein Rätsel. So ist z.B. die C-6 nicht mehr ganz so leicht zu bekommen. Wie lange ich noch ungeduldig auf die G-6 warten muss, steht auch in den Sternen, aber Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude und zwischenzeitlich kann man sich ja mit der A-4, A-5, A-11, D-1, R-2, C-6 und G-1 begnügen.

Zulieferfirmen haben sich gleich nach erscheinen des Bausatzes angenommen und so ist von Eduard über CMK bis zu Voyager einiges zur Detaillierung und Verbesserung erschienen. Natürlich ist auch dieser Bausatz nicht fehlerfrei und bietet Möglichkeiten weiter ins Detail zu gehen, aber die wirklichen Fehler werden oft nicht von den Zulieferern erkannt!

Jedenfalls ist der größte Fehler der Hasegawa Ju 88 die Kabinenverglasung. Denn nicht nur der hintere Bereich der "Bomberkanzel", sondern auch der vordere gepanzerte Bereich der "Zerstörerverglasung" ist von der Form her falsch. So wie es aussieht hat es sich Hasegawa etwas leicht gemacht und einfach die ungepanzerte Frontverglasung abgeändert. Auch wenn dieser Fehler am fertigen Modell nicht ins Auge sticht, so liegt es manchmal am "Ehrgeiz" sich nicht damit abzufinden. Versuche die Kanzel mit Streben tiefzuziehen ,ergaben selbst mit Vakuumziehvorrichtung keine guten Ergebnisse. Da aber so viele Ju`s noch gebaut werden sollen, wäre die Nachdetaillierung der Streben bei jedem Modell eine enorme Mehrarbeit. So kam der Gedanke die Kanzel zu gießen. Dabei war nicht etwas die Urform das Problem, sondern vielmehr das richtige klare Gießharz! Von Epox-Harz über Polyester-Harz wurde alles ausprobiert. Beide Harz-Typen sind für solche Sachen eher nicht geeignet. Durch einen Modellbauer hier im FF wurde ich auf das klare PUR-Gießharz "Crystal Clear" aufmerksam gemacht und gleich die ersten Abgüsse ließen erkennen, dass es sich um das richtige Material handelt. Nur die Luftblasen müssten noch beseitigt werden. Also wieder Informationen einholen, Versuche starten und die Verzweiflung besiegen! Nach vielen vielen Versuchen stellte sich heraus, dass die besten Ergebnisse zu erzielen sind, wenn die Silikonform unter Vakuum erstellt wird und der eigentliche Guss unter Druck stattfindet. Somit machte der Bau wieder viel Spaß und die restlichen kleineren Unstimmigkeiten waren ein Kinderspiel. So wurden die Fahrwerksbeine etwas nach vorn verlegt, bis an die Kante des Fahrwerkschachtes.

Weiter wurde der "Mumiensitz" des Flugzeugführers verbreitert, um besser an die Form des Originals zu kommen. Mit etwas Eigeninitiative lassen sich viele Sachen auch ohne Zurüstteile detaillieren um den Gesamteindruck zu verbessern. Manche Sachen sind überhaupt nur ausreichend zu gestalten, wenn man sie selber erstellt. So gibt es auf dem Markt kaum ein Produkt, das die Dipole des FuG 202 realistisch darstellt. Die Kombination aus wagrecht angeordneten Dipole des FuG, die außergewöhnliche Bewaffnung mit Mündungsfeuerdämpfer für alle Frontalwaffen und natürlich die Mäanderlackierung in RLM 79 waren der ausschlaggebende Punkt dieses Modell zu bauen. Und genau bei der Lackierung war noch die eine oder andere Schwierigkeit zu erwarten. Aber mit Hilfe von vielen "Schlangen" aus Uhu-Tac waren die Mäander schlussendlich nicht das Problem. Da war die anschließende Montage der Antennen des Funk- Mess- Gerätes aus 74 Teilen nervenaufreibender. Die Kohäsionskraft der winzigen Teilchen kann einen manchmal dazu treiben doch die fotogeätzten Bausatzteile zu verwenden, aber das erste Gesetz des Modellbaues lässt einen auch diese Herausforderung bestehen. Und wie das Original, dass 1943 mit dem "Lichtenstein" ausgerüstet wurde, war nun das Modell fertig zur "Verlegung" nach Sizilien.


Als ausgesprochener Dioramen Liebhaber sollte es dieses mal etwas mehr werden, als nur eine so genanntes "Table Top". Eine Szene mit Haus sieht man selten und ein Bausatz von einem solchen war schon vorhanden. Eine Kombination von Flieger und Haus muss natürlich nachzuvollziehen sein, aber nach Studium vieler Bilder ist es selbst in der Wirklichkeit nicht immer so durchschaubar, weshalb ein Flugzeug so dicht an einem Haus steht. Also wurde das Haus zu einem kleinen Bauerndomizil, wie man es öfter auf den italienischen Inseln wie z.B. Sardinien und Sizilien sieht, umgebaut. Mit den beiden Hauptbestandteilen des Diorama wurden nun Stellproben unternommen um die ganze Szene so klein wie möglich zu halten, aber dennoch nicht gedrungen zu wirken. Auch sollte nichts Geometrisch exakt ausgerichtet wirken, selbst die Grundplatte wurde unsymmetrisch ausgelegt. Manchmal kann man sich mit solch banal wirkenden Angelegenheiten lange Zeit aufhalten, weiß man, dass es nach einer Entscheidung kein Zurück mehr gibt. Hilfreich ist immer auch Meinungen von anderen einzuholen, dabei müssen es keine Modelbauexperten sein, sondern einfach unbedarfte Personen. Den besten Blick für solche Sachen haben, nach meiner Meinung, Frauen. Lassen sie sich doch nicht vom Technischen, als dem Flieger, ablenken, sondern betrachten die Szenerie im Gesamten. Wenn man beim Bau des Fliegers sich strikt an die originale Maschine halten muss, lässt die Szenerie es zu, fast grenzenlos seine Fantasie zu entfalten. Die Logik darf denn noch nicht außer Acht gelassen werden.

Bis auf die Figuren, ein paar Blumen und das Haus ist alles selber gebastelt bzw. direkt aus der Natur. Der Brunnen ist aus vielen kleinen Kieselsteinchen entstanden, viele der Blumen und Gewächse sind aus Samen verblühter Blumen, die Bäume sind aus wurzeln echter Bäume die mit Streumaterial begrünt wurden. Das Wasser im Brunnen, den Regenfässern und dem Bächlein ist aus "Crystal Clear".

Natürlich lenkt die "Umgebung" rund um die Ju 88 vom eigentlichen Modell ab, zumal sie darauf fest fixiert ist. Aber andererseits wirkt es nach meiner Meinung besser, seine Modelle in der richtigen "Landschaft" zu platzieren. Auch bilde ich mir ein festzustellen, dass die unterschiedlichen Geschlechter andere Betrachtungsmerkmale aufweisen. Während die Herren jeden Makel am Flieger erkennen und kaum auf das Außenrum eingehen, freuen sich die Damen über jedes entdeckte Tier oder Blume.

Ob die Damen auch am nächsten Diorama so viel Freude haben, stellt sich erst noch heraus, jedenfalls wird darauf wieder eine Hasegawa Ju 88 im Mittelpunkt stehen. Vielleicht schickt sich dieser Hersteller ja zwischenzeitlich an, endlich auch die G-6 auf den Markt zu bringen?

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