Modellbaufarben


Um ein Modell in einem vorbildähnlichem Äußeren darzustellen, sind Farben unerlässlich.

Es gibt verschiedene Sorten und Herstellerfirmen, wobei die Farbenwahl nach Hersteller eher subjektiv ist, jeder hat seinen Favoriten.

Farben werden verschiedensten Abfüllungen (ca. 12-20 ml), in Schraubgläsern, Pipettenflaschen oder Döschen, angemischt in den unterschiedlichsten Tönen nach RAL, Federal Standard und RLM Tönen.
Am gebräuchlichsten sind lösemittelhaltige Farben, streich- und spritzfähig, Verdünnbar mit Spezial- und Universalverdünnung, zu Reinigen mit Terpentin.
Wasserlösliche Farben sind Acrylfarben, Streich und Spritzfähig, verdünnbar mit Spezialverdünnung oder Spiritus, zu Reinigen mit Spezialreiniger oder Spiritus.

Acrylfarben sind gegenüber lösemittelhaltigen Farben
- kaum geruchsintensiv
- grobkörniger in der Grundkonsistenz (wichtig für´s Airbrushen)
- weniger haftend
- kostenintensiver
- meist mit weniger fertig gemischten Farben am Markt

Weiter werden Wasser- und Spezialfarben verwendet, so z.B. zur Alterung.
Zur Darstellung von Aluminium- und anderen Metalloberflächen werden spezielle Metallfarben, polierbar, angeboten, die auch eine eigene Versiegelung erhalten.  

Zur Haftvermittlung sollte eine Grundierung aufgetragen werden, in weiss (helle Endfarben) oder grau (dunkle Endfarben).
Nach Auftragen der Endfarben als Einheits- oder Tarnschema sollten die Bereiche, die mit Decals beklebt werden, hochglänzend farblos lackiert werden. So wird das sog. Silvering, das Durchscheinen des Trägerrandes der Decals, vermieden oder vermindert werden.

Alterungen sollten auf hochglänzend lackierten Flächen erledigt werden, schlussendlich wird das Modell mit dem erforderlichen Glanzgrad (matt, seidenmatt, glänzend) farblos endlackiert.

Betrachten wir uns nun die die verschiedenen Produkte der Modellbaufarbenhersteller. Allgegenwärtig und bekannt sind die Farben von Revell. Die Farben von Revell sind die preiswerte Wahl für Einsteiger, überall verfügbar und in sehr vielen Farbtönen am Markt. Diese Farben gibt es in den Döschen - als normale Farbe die auch normal mit dem Pinsel verarbeitet werden kann und in kleinen Farbglässchen vorverdünnt für die Arbeit mit der Airbrush. Hierbei sollte man aber beachten das jede Farbe auch nachträglich verdünnt werden kann und das Verdünnungsverhältnis von Fall zu Fall und von Modellbauer zu Modellbauer schwankt. Die Farben von Revell haben einen grossen Nachteil der schon auf ihren Etiketten und in jeder (Besonders in denen von Revell-Kits) Bauanleitung sichtbar wird : In Revell's Farbensortiment gibt es kein einheitliches Farbschema. Man kann sich nun auf die Angaben von Revell verlassen ( 30% von Farbe X + 40% von Farbe Y + 30% von Farbe Z = FS 16251 - nämlich Medium Grey ) oder man mischt eben selbst nach Augenmass und nach - unter welchen Lichteinfall auch immer gemachten - Farbfotos. Das mag für ein Modell dem man mehr als den Spass am Bauen nicht beimisst angehen - komisch aber wird es dann wenn plötzlich 2 Modelle aus der selben Periode, der selben Luftwaffe mit demselben Tarnschema auf einmal unterschiedliche Farbtöne haben.

Wer also seine Modelle professionell lackieren will muss sich nach weiteren Anbietern oder Möglichkeiten umsehen.
Betrachten wir nun einmal die Farben des Herstellers Xtracolor. Diese Farben werden in den selben Döschen wie die von Revell angeboten und schon auf ihren Etikett ist der gewaltige Unterschied zu bemerken : Farbangabe FS oder RLM mit Name der Farbe. Hier sind alle möglichen Farbtöne vieler Luftwaffen und Perioden zu finden . Das ist nun das was der Modellbauer braucht - denn genauso werden in vielen Farbzeichnungen - sogenannten "Farbprofilen" - die Farben angegeben. Hier also entfällt jegliches zusammenmischen der Farben um einen bestimmten Standardfarbton zu bekommen. Ein weiterer Pluspunkt dabei ist das Xtracolor die Farbtöne auch recht genau trifft. Bei der Verarbeitung der Xtracolorfarben wird man nun feststellen das diese Farben sehr oft Hochglänzend angeboten werden und diese Farben auch tatsächlich sehr hochglänzend sind. Warum ? - Na wegen dem schon oben genannten Silvering ("Silberschimmer"). Mit diesen Eigenschaften seiner Farben darf Xtracolor sich das Lob gefallen lassen den Modellbauer verstanden zu haben. Aber einen Nachteil haben diese Farbe doch : man findet sie bei weiten nicht so oft in den Regalen, und wenn dann nur in wirklich guten Modellbaugeschäften. Ein Ausweg hier sind die Online- und Versandhändler.

Ein weiterer Hersteller der nach diesem Prinzip arbeitet ist Testors/ModelMaster. Diese Farben werden in Glässchen vertrieben und auch hier finden wir eine genaue Farbbezeichnung auf dem Etikett.

Ebenso gestaltet sich das Sortiment der Wasserlöslichen Farben von JPS (alias "DonColor") oder von Aeromaster - auch hier eindeutige Farbangaben auf dem Etikett.

Ein weiterer Hersteller dessen Farben wir oft antreffen ist Humbrol. Diese Farben werden in Döschen vertrieben 
und bedienen sich eines ähnlichen Farbsystems das einfach nach Zahlen geordnet ist wie bei Revell. Hier allerdings findet man öfters auch bereits "fertige" Farbtöne - man muss sie anhand von Farbtabellen eben nur erst mal herausfinden.

Wer nun denkt mehr Kopfzerbrechen über die Auswahl seines Farbsortimentes braucht man sich nicht zu machen - für den hier nun noch weitere Hersteller als kleine Orientierungshilfe :
Modelmaster Acryl
Model Air Acryl/Vallejo
Lifecolor Acryl
Tamiya
Tamiya Acryl
Gunze Sangyo

Ein spezielles Kapitel für sich stellen die Farben dar mit denen Metalltöne dargestellt werden. Solche Farben hat fast jeder Hersteller im Angebot - die Unterschiede aber sind nicht nur in der Bezeichnung gross.
Um diese Farben besser zu erklären hier ein wenig Theorie :
Normal besteht eine Farbe aus dem Pigment (das ist die eigentliche Farbe), dem Lösungsmittel (Verdünner) und dem Binder (sozusagen das Haft- und Trägermittel der Pigmente).
Bei den Metallfarben aber müssen wir nun unterscheiden zwischen Farben mit und Farben ohne Binder. Als Pigment dient immer - und je nach Farbton und/oder Qualität - kleinste Metall- oder Aluminiumteilchen. Als Verdünner kommen entweder dieselben oder "schärfere" als bei normalen Farben gebräuchlich vor.
Ein Metallfarbe mit Binder - also etwa von Revell - funktioniert nun genauso wie eine normale Farbe : sie kann normal weiterverdünnt werden und auch mit dem Pinsel verarbeitet werden.
Die Gruppe nun ohne den Binder -zb. Metal Cote von Humbrol - funktioniert alleine auf Grund der Agressivität ihres Lösungsmittels: dieses "ätzt" die Plastoberfläche auf und alleine dadurch das die Metallteilchen in dieser mikroskopisch dünnen aufgeweichten Plastikschicht sozusagen "eingeschweist" werden halten diese auf der Oberfläche. Ein vernünftiges Ergebniss ist hier nur mit der Airbrush zu erzielen da das Lösungsmittel/Metallgemisch sehr gleichmässig aufgetragen werden muss.

Nun dürfen wir in letztgenannter Gruppe noch etwas unterscheiden - nämlich ob eine Farbe hinterher polierbar ist oder nicht. Da machen wir es uns einfach : Die einzigste die hier nicht poliert werden muss ist die von ALCAD II - Die von Testors/Modelmaster und Humbrol müssen oder können nachpoliert werden.
Ein weiteres Kapitel für sich stellen die Klarlacke dar - fast jeder Hersteller hat sie und das fast immer in Matt, Seidenmatt oder Glänzend. Mit diesen Lacken wird nicht nur über das "Finish" eines Modells entschieden ( nämlich einfach gesagt ob das Modell nun glänzen soll wie eine Speckschwarte oder gar nicht oder nur ein wenig glänzen soll), Nein, ein solcher Lack fixiert Decals, schützt die eigentlichen Farbschichten vor Umwelteinflüssen und macht die Farbschicht - insbesondere Metallische - griffest. Und zu guter Letzt soll dieser Klarlack mit den Jahren nicht vergilben. Welcher ist da nun für Was am besten geeignet ? - Das weis am besten wenn man eben mehrere Modelle mit verschiedenen Klarlacken behandelt und 10 Jahre abwartet. Dann weis man es ganz genau.

Mit der Zeit wird der Modellbauer neben einer grossen Sammlung ungebauter Bausätze eine auch sehr schöne grosse Sammlung von Farben der unterschiedlichsten Hersteller haben. Wenn man soweit ist lässt sich die Frage nach den richtigen Hersteller für Modellbaufarben genau so gut beantworten wie vor dem lesen dieses Artikels.
Deshalb hier nochmal eine Zusammenfassung :

Überall zu bekommen : Die Modellbaufarben von Revell - Für Einsteiger immer eine richtige Wahl
Der Pendant zu den Revellfarben kommt von Humbrol
Farben wie die  von Gunze Sangyo finden wir noch am meisten in Bauanleitungen japanischer Kits
Farben von Xtracolor - man beachte die Angaben auf dem Etikett !
Wasserlössliche Farbe von Aeromaster - auch hier eine eindeutige Farbangabe
Wasserlöslich Farben von JPS - erhältlich bei DonColor (auf unserer Linkseite) - auch hier die FS-Angabe zum Farbton
Testors/Modelmaster - auch hier eindeutige Farbbezeichnungen.
Für jede Farbe gibt es den passenden Verdünner - Nitroverdünnung aus dem Baumarkt aber tut es oft auch ...
Von Links nach Rechts :

ALCAD II - Metallfarbtöne für höchste Ansprüche -setzt aber auch hohes Können des Modellbauers voraus - für Anfänger ungeeignet

Testors/Modelmaster Metallizer - Metallfarbtöne für Einsteiger und Profis - nachpolierbar. Dafür gibt es auch einen speziellen Klarlack zum versiegeln - den "Sealer"

Metal Cote von Humbrol - die für Einsteiger wohl am besten zu handhabare Metallfarbe, ebenfalls nachpolierbar

Aus dem Reigen der Klarlacke hier einer von Testors/Modelmaster und Xtracolor.